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Schlüsselübergabe an die Narren
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Mössinger Narren stürmten das Rathaus

Hästräger übernahmen die Macht in der Stadt

Laut her ging es am Morgen des "Schmotziga Doschdig“ im Mössinger Rathaus, als gegen 10 Uhr die gesammelte Mössinger Narrenschar des Original Steinlachtaler Fasnachtsvereins und des Narrenvereins Mössingen die Verwaltungszentrale stürmte.
Vorrangiges Ziel des Narrensturmes war wie jedes Jahr das Büro des Bürgermeisters, um diesen von Narrenhand „eine Krawatte kürzer“ zu machen.
Das fiel Ihnen heuer allerdings nicht so leicht wie gedacht.
Denn seine gewohnt flexiblen Mitarbeiter zeigten sich nach den „leidgeprüften“ Erfahrungen der Vorjahre diesmal gewappnet und hatten die Verwaltungszentrale knitz in ein großes Krankenhaus verwandelt, zu dem der Zutritt nur noch „medizinisch kontrolliert“ möglich war.
Auch der Schultes weilte nicht in seinem Amtszimmer. Denn er hatte sich über Nacht zum Chirurgen fortbilden lassen und steckte nun als Professor Dr. mec Fifka in Saal 1.08 gerade mitten in einer schwierigen „Gallenstein-Operation“. So mussten sich die Narren, nachdem sie gerade erst durch die neue symbolische „Seuchenschleuse“ des Rathauses gewatet waren, bereits einer erneuten Desinfektion unterziehen, um an ihn ranzukommen – dieses Mal mit feurigem „Belsemer Kirsch“.
Hexen-Operation Machtübernahme durch die Narren
Nach dieser ersten Überraschung gelang es ihnen schließlich doch noch, den Schultes ins Foyer zu bewegen und die Macht im „Rathaus-Klinikum“ an sich zu reißen. Neben der Schlüsselgewalt konnten sie sogar etliche Schuhbändel sowie manche halbe Krawatte zu ergattern.

Selbst vor einem gemeinsam vorgetragenen Lieder-Potpourri schreckten die Narren nicht zurück. Darin hieß es in Anspielung auf einen alten Wunsch beispielsweise: „Es ist noch nicht viel Zeit vergangen, als die Spatzen von den Dächern sangen, die Narren dürften in die Pausa rein, kriegten dort ihr neues Heim. (…) Heut sieht’s ganz anders aus, die Narren sind noch in ihrem alten Haus. Musik, Theater und auch Chor, steh’n den Narren ganz weit vor.“

Das novomedizinische Fachpersonal nahm den Trubel und die Arbeitsbefreiung angesichts der bekannten Überstundensituation der „weißen Berufe“ gelassen, machte „Feierpause mit Polonaise“ und lud alle Fasnetsnarren sogar zu einer gemeinsamen Stärkung ein, begleitet von viel närrischer Musik der Lumpenkapelle „Heubergzottler“.

Professor Dr. mec BM v.a.D. Werner Fifka wandte sich, bevor er den geforderten Rathausschlüssel an die Narren herausrückte, aber noch mit einigen beschwichtigenden Worten an die neuen Machthaber aus den Kreisen der Steinlachhexen, Wendgoischder, Krebsfischer, Heubergzottler, Erdmännle und Andeckhexen.
Dabei führte er für seine Mitarbeiter ins Feld, dass diese sich früher am „Schmotziga“ noch krank gemeldet, in den Urlaub verabschiedet und dem bunten Treiben überwiegend fassungslos gegenüber gestanden hätten. Inzwischen werde kurzerhand sogar gemeinsam das Rathaus in ein Lazarett verwandelt. „Humor ist wenn man trotzdem lacht! Deshalb Ihr Narren an die Macht. Ich lasse Euch nun schalten, sechs Tage lang die Stadt verwalten. Ich aber feiere Fasnet, singe Lieder, komme erst zur Fasnetsverbrennung wieder“, reimte Fifka.

Eines aber habe er bisher noch nicht erlebt, meinte er zum Schluss noch launisch den Binder hoch haltend: Dass es ihm gelungen sei, die Krawatte über eine halbe Stunde lang erfolgreich zu verteidigen!
So ging es dem Schultes zur Freude der Hästräger dann doch noch an den Kragen, sprich die Krawatte…

Mit deftiger Fasnetskost gut gestärkt zogen die Hästräger dann wieder in die Stadt hinaus, um die Schulen zu befreien und auch andere Einrichtungen (heim) zu (be)suchen.
Närrische Klinikbelegschaft