Viele guten Wünsche für Jakob Textor zum 100. Geburtstag

Die Gratulanten gaben sich am vergangenen Samstag beinahe die Klinke in die Hand, um Mössingens ältestem männlichen Bürger zum „vollen Jahrhundert“ zu gratulieren. Denn Jakob Textor, letzter lebender Teilnehmer des Generalstreiks vor 75 Jahren, ein Mössinger „Urgewächs“ das seine ersten Lebensjahre in der Brunnenstraße neben der Peter- und Paulskirche verbracht hat, konnte seinen 100. Geburtstag begehen.
Graulation zum hundertsten Geburtstag von Jakob Textor
Bürgermeister Werner Fifka (im Bild rechts) wünschte nicht nur in eigener Person sowie namens der Stadt alle Gute, sondern überbrachte auch noch die Gratulationsurkunden des Bundespräsidenten und des Ministerpräsidenten. Die Glückwünsche des Landkreises überbrachte der Erste Landesbeamte Hans-Erich Messner (links im Bild).
Als Geschenk der Stadt hatte sich Bürgermeister Fifka dem Anlass entsprechend etwas Besonderes ausgedacht. Er überreichte Textor eine gerahmte Fotografie der Gedenktafel, die seit 2003 an der Langgaß-Turnhalle an den Mössinger Generalstreik erinnert.

Der Jubilar nahm den Trubel um seine Person gelassen und sein hohes Alter mit trockenem Humor, hat er in hundert Jahren doch schon aufreibendere Situation erlebt und gemeistert.

So nahm der begabte Turner 1925 als einziger Mössinger Teilnehmer an der Arbeiterolympiade in Frankfurt teil und war als gelernter Maler einer eifrigsten Helfer beim Bau der Langgaß-Turnhalle. Als politisch denkender Mensch war er mit für die wichtigsten und spektakulärsten Mössinger Aktionen gegen die NS-Diktatur verantwortlich: Er setzte z.B. eine rote Fahne auf den großen Pausa-Schornstein, schrieb vor der Reichtstagswahl an eine Mauer „Wer Hitler wählt, wählt Krieg“, fertigte das Transparent für den Demonstrationszug am 31. Januar 1933 und marschierte an der Spitze des Generalstreik-Demo; auch später verteilte er noch Flugblätter gegen Hitler.
Beim Widerstand gegen die Nationalsozialisten war Jakob Textor somit einer der maßgeblichen örtlichen Aktivisten, ohne dabei intellektuell an der Spitze zu stehen. Aufgrund seines Widerstands wurde er mehrfach verhaftet und auch inhaftiert.
Später musste er als Gebirgsjäger in den Krieg nach Russland und Albanien.

Als bodenständiger Handwerker aus einer alteingesessenen Mössinger Familie hat Jakob Textor, unter Missachtung der Gefahren für das eingestanden, was er als richtig und Recht empfand – ohne sich dabei in den Vordergrund zu spielen. In die ihm nahe stehende KPD trat er offiziell erst nach dem Krieg ein und brach mit ihr nach deren Verbot 1956, um sch fortan mehr seiner Familie und seinen Hobbys, wie dem Motorrad und dem Bergwandern zu widmen. Von 1963 bis 1973 war der zuvor etliche Jahre selbständige Malermeister noch Betriebsmaler der Pausa AG.