„Es war ein ewiges Gehen und nicht mehr Kommen…“

Lebenswege von Auswanderern aus dem Steinlachtal in der Mössinger Kulturscheune

Im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung in der Kulturscheune stehen nach einer allgemeinen Einführung zur Auswanderung zwölf Biographien von Emigranten aus dem Steinlachtal, die im 19. und 20. Jahrhundert den Sprung über den Großen Teich wagten. In der Ausstellung findet der Besucher eine große Anzahl von Originalgegenständen, die in Beziehung zu den Lebensgeschichten der Auswanderer sowie ihren Erfahrungen bei der Überfahrt und in der „Neuen Welt“ stehen.

Sehr anschaulich berichteten bei der Vernissage am Museumsleiter Dr. Hermann Berner und Buchautorin Liane von Droste vor über 100 Besuchern von der materiellen Not, die im 18. aber vor allem auch im Laufe des 19. Jahrhunderts viele Einwohner zur Auswanderung zwang - zuerst in den Osten, nach Westpreußen, ans Schwarze Meer oder nach Siebenbürgen, später folgte man dann dem Ruf „Nach Amerika“. Der stellvertretende Bürgermeister Max Göhner, der in Vertretung von Bürgermeister Werner Fifka die Ausstellung eröffnete, sprach davon, dass es kaum eine Familie gab, die nicht von der Auswanderungswelle betroffen war.

Eine Biographie berichtet von Jakob Röcker, dessen Geschichte erst im letzten Jahr bei Recherchen des damaligen Stadtarchivars Matthias Röhrs ans Licht kam. Röcker war Wirt der „Goldenen Traube“ in der Falltorstraße, damals die vornehmste Wirtschaft in Mössingen. Nachdem er für seine hoch verschuldete Schwiegermutter gebürgt hatte, wurde sein gesamter Besitz versteigert. Röcker bekam aber 1832 einen Geldbetrag aus dem Erbe seiner unmündigen Kinder mit der Verpflichtung, nach Amerika auszuwandern. Dazu ist in einer Vitrine ein Inventar- und Teilungsbuch aus dem Mössinger Stadtarchiv mit der entsprechenden Randnotiz ausgestellt.

Über Berta Munz aus der Grabenstraße, die ihrem Mann mit dem drei Monate alten Kind in die USA folgte, berichtet eine weitere Biographie. Als sie Ende der 1980er Jahre zu Besuch in Mössingen war, berichtete sie Hermann Berner noch von ihrer stärksten Erinnerung, wie sie bei der Ankunft auf Ellis Island den ganzen Tag auf die Abfertigung warten musste, immer in Angst, wieder weggeschickt zu werden, weil sie die vorgeschriebenen dreißig Dollar Landungsgeld bereits auf dem Schiff für Milch für ihr Baby ausgegeben hatte.

Weitere Biographien berichten z. B. von Gustav Steeb, dem Kassenschrankbauer, dem im letzten Jahr eine Ausstellung gewidmet war. Auch er wanderte 1930 nach Philadelphia aus und kehrte Ende der 1930er Jahre wieder ins Steinlachtal zurück. Gustav Plankenhorn, der Sohn des bekannten Kunstmalers Jakob Plankenhorn ist als einziger Nachkriegsauswanderer in der Ausstellung vertreten. Von ihm ist u. a. die Quittung für die Würste zu sehen, die ihm bei der Ankunft in Amerika abgenommen wurden. Die insgesamt zwölf Lebensgeschichten berichten von mutigen Frauen und Männern, die alles hinter sich ließen, um ins Ungewisse aufzubrechen und ihr Glück zu suchen. Manche, nicht alle, haben es in Amerika gefunden.

Während der Ausstellungsdauer kann an einem Quiz teilgenommen werden. Auf denjenigen, dem es gelingt, das Lösungswort, das sich aus verschiedenen Fragen zur Auswanderung aus dem Steinlachtal ergibt, richtig zu erraten, warten attraktive Preise. Der erste Preis ist eine Reise nach Bremerhaven, wo unter anderem ein Besuch des Deutschen Auswandererhauses auf dem Programm steht.

Verschiedene Veranstaltungen zur Auswanderung aus dem Steinlachtal werden während der Ausstellung angeboten. Die Termine und Themen werden rechtzeitig veröffentlicht.

Die Ausstellung ist noch bis 20. Juli 2008 zu sehen.


Öffnungszeiten Ausstellung und Café Chamäleon:

Mittwoch 14.00 Uhr bis 22.00 Uhr
Freitag 20.00 Uhr bis 23.00 Uhr
Sonntag 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr