Restaurierter Brunnen am Weg zur Belsener Kapelle eingeweiht

Vermutlich ältestes erhaltenes Stein-Bauwerk in Mössingen vom Obst- und Gartenbauverein Belsen wieder freigelegt

Eine lange Baugeschichte neigte sich am vergangenen Sonntag ihrem Ende zu. Im Beisein zahlreicher Bürgerinnen und Bürger wurde der restaurierte Brunnen beim Belsener Kirchle eingeweiht. Bis auf einige Geländearbeiten, die witterungsbedingt in Verzug gerieten, ist das ambitionierte Projekt des Obst- und Gartenbauvereins Belsen (OGV) damit erfolgreich abgeschlossen.

OGV-Vorsitzender Ernst Steinhilber, der das Vorhaben mit dem Amt von seinem Vorgänger Karl Egerter übernommen hatte, erinnerte nochmals an den langen Weg von der Idee („Die erste Reaktion war Ablehnung, mit der Begründung, wir sind Obst- und Gartenbauer, keine Brunnenbauer. Doch der Stachel saß“), über Recherchen und schlagzeilenträchtige Ausräumarbeiten, die Sicherung des Brunnens, bis hin zu dessen Wiederaufbau.
Letzterer erwies sich auch deshalb als nicht einfach, da man nicht weiß, wie der oberirdische Teil früher aussah. Die Verkleidung erfolgte daher mit gebrauchten Sandsteinen. Außerdem wurde nach längeren Diskussionen entschieden, eine lichte, jedoch stabile Dachkonstruktion, unter Verwendung historischer Dachziegel anzubringen.
Im Namen des Vereins bedankte sich Steinhilber bei allen, die den Brunnenwiederaufbau durch Rat und Tat unterstützt hatten. Dazu zählen etliche örtliche Firmen, Handwerker, die Feuerwehr und natürlich die Stadt als Grundstückseigentümerin.

Denn Bürgermeister Werner Fifka sagte anlässlich der Einweihung gerne nochmals zu, die Wiederherstellung des Brunnens mit Haushaltsmitteln zu unterstützen. „Was an Kosten noch übrig ist, übernehmen wir gerne“, bekundete Fifka. Zusätzlich spendierte er persönlich auch noch die Bewirtungskosten der Einweihung, hatte er doch auf den Tag genau vor zehn Jahren seinen Dienst als Bürgermeister von Mössingen aufgenommen, wie er wissen ließ.

„Ich fand es eine prima Idee, die ich gerne unterstützt habe, dass zusammen mit örtlichen Heimatforschern und der Belsener Feuerwehrabteilung der Obst- und Gartenbauverein es sich zur Aufgabe gemacht hat, den alten Brunnen wahrhaft aus der Versenkung zu holen, liebevoll zu restaurieren und mit einer Aufmauerung sowie einem Dach zu versehen“, hob Bürgermeister Fifka hervor. Auch wenn manche historische Frage zur Kapelle und zum Brunnen weiterhin unbeantwortet bleibe, so sei eines doch klar: „Der erneuerte Brunnen ziert nicht nur den Eingang zum schönsten Friedhof der Region, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag, die Ortsgeschichte lebendig zu halten. Er unterstützt zudem das Bemühen der Stadt, ihr touristisches Profil zu stärken.“ Allen Projektbeteiligten dankte insofern auch Fifka herzlich.

Einweihung Brunnen Belsener Kirche Auf die Historie des Brunnens ging der stellvertretende OGV-Vorsitzende, Jürgen Meyer näher ein. Er hatte, nachdem ihm sein Großvater, Heimatforscher Adolf Schäfer, von dem uralten Brunnenschacht erzählte, die Sicherung und den Wiederaufbau des Brunnens initiiert.

Die spannende Frage nach dem Alter des Brunnens kann auch Meyer nicht mit Sicherheit beantworten. Nachdem die verwendeten Steinquader aber mit denen der Kappelle identisch sind und wohl auch die früher gefundenen Tonkrüge aus dem 12. Jahrhundert stammten, liegt es für ihn nahe, „den Brunnen- mit dem Kapellenbau in Verbindung zu bringen“. Mit dem Bau der jetzigen, zweiten Kapelle wurde am 1. April 1089 begonnen. Ihre Vorgängerin dürfte bereits 1045 errichtet worden sein. Da der Kapellenbau ohne Wasser nicht möglich war, argumentiert Jütrgen Meyer, liege es auf der Hand, dass die Bauwerker hier eine Zisterne gefasst hätten. Man könne also davon ausgehen, dass der Brunnenschacht das älteste erhaltene steinerne Bauwerk in ganz Mössingen sei. „Gut und gerne fast tausend Jahre alt“.