Mössingen siegte beim Landeswettbewerb „Barrierefreie Gemeinde“

Auszeichnung des Landesverbands für Körper- und Mehrfachbehinderte Baden-Württemberg erfolgt

Insgesamt neunzehn Städte und Gemeinden wurden am Mittwoch 2. Juli 2008 in Stuttgart für ihr vorbildliches Engagement zugunsten eines barrierefreien Lebensraumes ausgezeichnet. Mit dabei war auch Mössingen. Sehr erfreut nahm Bürgermeister Werner Fifka zusammen mit Stadtrat Willi Rudolf die Urkunde für die Stadt entgegen. Gleichzeitig gab es Glückwünsche zur nun entschiedenen Erhebung Mössingens als Große Kreisstadt.

Wirtschaftsminister Ernst Pfister, Schirmherr des vom Landesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte Baden-Württemberg e.V. ausgelobten Wettbewerbs „Gesucht: Barrierefreie Gemeinde in Baden-Württemberg“, würdigte die Preisträger als Vorbilder für ein „Leben ohne Barrieren“. Der Wettbewerb fand nach 1998 und 2002 zum dritten Mal statt.

„Wir wollen Kommunen auszeichnen, die sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sind. Gewürdigt werden sollen zudem barrierefreie Planungen mit hohem gestalterischem Anspruch, die sich Konflikten stellen und so Wege zu einer besseren gebauten Umwelt zeigen“, so Wirtschaftsminister Ernst Pfister. Denn Barrierefreiheit sei für etwa zehn Prozent der Bevölkerung zwingend erforderlich, werde jedoch immer und überall, nicht nur an besonderen Orten benötigt. „Wenn wir alt sind, werden wir alle eine barrierefreie Umwelt brauchen“, so Ernst Pfister.

„Wille versetzt keine Berge. Aber er baut Lifte.“ Hans-Ulrich Karg, Vorsitzender des Landesverbandes für Körper- und Mehrfachbehinderte Baden-Württemberg e.V., unterstrich, wie bauliche Barrieren die Teilhabe behinderter Menschen am Leben in der Gesellschaft oft ver- oder behinderten. In Anlehnung an das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte behinderter Menschen sei Barrierefreiheit in einer Gemeinde die Basis für ein selbst bestimmtes Leben und Teilhabe von Menschen mit Behinderung. „Disability mainstreaming“, die Berücksichtigung der Anforderungen behinderter Menschen, müsse Selbstverständlichkeit werden.
Der Wettbewerb sei deshalb vor allem ein gesellschaftspolitisches Anliegen.

Die Geschäftsführerin des Landesverbandes, Jutta Pagel-Steidl, betonte, der Wettbewerb 2008 zeichne sich dadurch aus, dass die meisten Bewerber hervorragend qualifiziert seien. Von dem Wettbewerb solle daher Signalwirkung ausgehen, sich weiterhin um Barrierefreiheit zu bemühen. Im Blick auf den demografischen Wandel sei eine möglichst umfassende Barrierefreiheit vor Ort zunehmend ein Standort- und damit ein Wettbewerbsvorteil. „Wer ein Ladengeschäft oder eine Gaststätte in nicht barrierefreien Räumen eröffnet oder eine Veranstaltung dort organisiert, grenzt damit – bewusst oder unbewusst – viele Gäste und Besucher aus.“
Auszeichnung der Stadt Mössingen als barrierefreie Stadt
In der Gemeinde-Größenklasse 20.001 - 50.000 Einwohner erhielt Mössingen die begehrte Auszeichnung, da die Stadt nach Auffassung der Jury „über vielfältige barrierefreie Angebote in allen Bereichen verfügt“. Weiter wurde das Engagement der KBS-Klasse F 10 besonders hervorgehoben – die im Rahmen des Projektes KOSOLEP (Kooperation Soziales Lernen in Projekten) – im Juni 2007 einen „Mössinger Stadtführer für Rollstuhlfahrer“ veröffentlicht und die gesamte Infrastruktur vor Ort akribisch untersucht hatte. Der erarbeitete Rollstuhl-Stadtführer ist seither auf der städtischen Internetseite eingestellt. Nicht unerwähnt blieb außerdem der besondere Einsatz des auf den Rollstuhl angewiesenen Gemeinderatesmitglieds und Kreisbehindertenbeauftragten Willi Rudolf für die Barrierefreiheit.

Die Stadt Mössingen erhielt wie die landesweit 17 anderen Preisträger ein Emaille-Schild, das die Anerkennung als barrierefreie Gemeinde 2008 dokumentiert. Neben Mössingen wurde aus der Region Neckar-Alb auch die Stadt Tübingen und die Gemeinde Grabenstetten ausgezeichnet.

Weitere Infos:

-> Rollstuhlführer