Trennlinie

Flyer zum Herunterladen:

Aufzählungszeichen  Seite 1 (577 KB):
Bergrutsch-Flyer 2016 Seite 1

Aufzählungszeichen  Seite 2 (732 KB):

Flyer Mössinger Bergrutsch Seite 2





Neuer Albtrauf


Infotafeln am Parkplatz (Foto Armin Dieter)


Mössinger Bergrutsch (Foto Armin Dieter)


Bergrutsch-Wegweiser (Foto Armin Dieter)



Informationen, Führungen und Dia-Vorträge:

Armin Dieter
Fürschelestraße 11
72116 Mössingen
Telefon: 07473 / 68 30
externer Link  www.alberlebnis.de
E-Mail: info@alberlebnis.de


Buchtipp:

Mössinger Bergrutsch - Einer der bedeutendsten Geotope Deutschlands

Armin Dieter
Verlag Mauser & Tröster
ISBN 978-3-941500-00-6


SWR-Film über Armin Dieter, Deutschlands einzigen Bergrutschführer

Navigationsdaten:
  • 48.377889,9.067841
Trennlinie

Mössinger Bergrutsch am Hirschkopf 
„Nationaler Geotop“

Es ist Dienstagmorgen, der 12. April 1983:

Ein nebliger, regnerischer Morgen, wie an zahlreichen Tagen davor. Nebelschwaden und dicke, regenschwere Wolken hängen ins Tal und lassen die Steilhänge am Rande der Schwäbischen Alb verschwinden, so als würde es diese gar nicht geben. Nieselregen löst die starken Niederschläge der letzten Tage und Wochen ab. Es herrscht gespenstische Ruhe am Hirschkopf. Doch plötzlich rumort es leise im Boden, ein leichtes Zittern ist vernehmbar, und dann gerät der ganze Berghang in Bewegung. Die anfängliche Stille geht in ein lautes Krachen und Knacken über, Bäume zersplittern oder rutschen senkrecht stehend zu Tal. Gesteinsbrocken stürzen von der Hochfläche und bersten beim Aufschlag mit einem ohrenbetäubenden Lärm auseinander. Der ganze Berg rutscht und sackt scheinbar in sich zusammen. Eine Naturkatastrophe unvergleichlichen Ausmaßes deutet sich an.

Luftaufnahme vom Bergrutsch

So, oder so ähnlich, könnte sich der größte Bergrutsch Baden-Württembergs seit mehr als einhundert Jahren, ausgelöst durch tagelange starke Regenfälle, abgespielt haben. Keiner weiß es genau - denn es gibt keine Ohren- und keine Augenzeugen. Die Nebelbank behinderte die Sicht auf den Hang und dämpfte die Geräuschkulisse, so dass von der Ferne nichts mitzubekommen war. Klar ist nur, als der zuständige Revierförster morgens um 9.00 Uhr noch die übliche Forstinspektionsfahrt auf den Waldwegen am Hirschkopf bei Mössingen, einem bewaldeten Steilhang am Rande der Schwäbischen Alb, unternahm, ahnte er nichts von dem Naturereignis, das wenig später eintreten sollte.

Um die Mittagszeit gehen bei den Behörden erste Meldungen ein, dass sich am Hirschkopf etwas ereignet. Ein erstes, vorsichtiges Betreten hinterlässt gespenstische Eindrücke. Nebelschwaden nehmen immer noch weitestgehend die Sicht. Doch das Erstaunen ist groß: Der Weg, den noch am Morgen der Revierförster befuhr, streicht mitten aus der Luft aus und endet vor einem zwanzig Meter tiefen Abgrund. Schemenhaft ist durch die aufsteigenden Nebelfelder talseitig eine unwirtliche Landschaft zu erkennen. Wo einst ein dichter Wald vorherrschte, zeigt sich jetzt eine riesige, vegetationslose Steinwüste ("Kieswüste") mit meterhohen Geröllhügeln und im Anschluss Tausende von Bäumen, kreuz und quer ineinander verkeilt. Und der einst bewaldete, begehbare Albtrauf verwandelte sich in eine nackte Steilwand mit riesigen Schollenabbrüchen. Insgesamt ein befremdender und eindrucksvoller Anblick verheerender Naturgewalten.

Und mancher Mössinger traute tags darauf seinen Augen nicht, als sich der Hirschkopf im vollen Sonnenschein präsentierte und eine riesige helle Fläche statt eines grünen Waldes zum Vorschein kam. Erst jetzt lässt sich das ganze Ausmaß einigermaßen abschätzen, macht der Albtrauf bei Mössingen über Nacht Schlagzeilen und flimmert via Fernsehen bundesweit in die Wohnstuben.

Blick auf den Bergrutsch  Neuer Albtrauf

Ursache:

Innerhalb von vier Wochen fiel über 200 mm Regen, fast ein Drittel des Jahresniederschlags. Die versickerten Wassermassen passierten schnell die zerklüfteten, wohlgeschichteten Jurakalke (Weißjura) und den Kalkschutt am Hangfuß auf der Hangleiste. Sie stauten sich an den hier befindlichen Tonschichten (Impressamergel und Ornatenton) und brachten diese zum Aufquellen und Rutschen: Zunächst geriet die Hangleiste und der darunter liegende Bereich großflächig ins Rutschen. Dem einst bewaldeten Albtrauf (jetzige Steilwand) wurde dabei die Stabilität genommen, so dass dieser nachrutschte und sich eine riesige Abrissfläche mit Schollenabbrüchen bildete.

Da die "Kieswüste" zunächst keine Humusschicht aufwies, andererseits kurz nach dem Rutsch weder Tiere noch Pflanzen beherbergte, sprach man von einer "biologischen Nullzone". Tierisches und pflanzliches Leben musste sich, abgesehen von kleinen Teilflächen mit der ursprünglichen Vegetation, neu ansiedeln. Der Bergrutsch bedeutete somit auch einen "Sturz in den Anfang".

Das Gelände ist deshalb für die folgenden Jahre ein Modellfall für die fortschreitende Entwicklung der Fauna und Flora von der ersten Pionierpflanze bis zum Endstadium geworden. Zahlreiche, sogar teils vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten fanden hier einen neuen Lebensraum vor und waren einige Jahre lang anzutreffen.

Grasfrösche im Sumpf

So brüten in der Steilwand der stark gefährdete Wanderfalke und der seltene Kolkrabe. Nicht häufig anzutreffende Insektenarten besiedelten neben gefährdeten Orchideen, wie Bienenragwurz und Mückenhändelwurz, die Geröllhalde. Zahlreiche entstandene Tümpel bieten ein Refugium für verschiedene Amphibienarten unter anderem auch der vom Aussterben bedrohten Europäischen Sumpfschildkröte.

Aber viele der Raritäten, die sich nach dem Naturereignis hier ansiedelten (auch einige der oben beispielhaft genannten), gehören heute bereits wieder längst der Vergangenheit an. Inzwischen ist die Entwicklung der Vegetation schon ziemlich weit fortgeschritten. Tümpel verlanden, freie Flächen wachsen zu, kleinere Pflanzen werden von größeren abgelöst und vollends verdrängt - der natürliche Verdrängungseffekt setzt ein. Von Jahr zu Jahr nimmt so die Artenvielfalt im Bergrutschgelände wieder ab, verlieren viele Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum und wird in wenigen Jahren wieder der "Normalzustand" erreicht.

Der Mössinger Bergrutsch gilt als Jahrhundertereignis und ist ein imposantes Lehrbeispiel für die Rückverlagerung der Schwäbischen Alb. Hier zeigt die Natur eindrucksvoll auf, wie das Rückschreiten des Albtraufs, der einst in der Stuttgarter Gegend verlief, vonstatten geht. Durchschnittlich weicht die Schwäbische Alb 1,6 mm pro Jahr zurück. Am Hirschkopf bei Mössingen waren es jedoch an der tiefsten Stelle 32 Meter in wenigen Stunden.

Wir sind hier somit am Albtrauf bei Mössingen der Zeit statistisch gesehen um 20.000 Jahre voraus. Auch die Wiederbesiedlung einer totgesagten Landschaft nach einer angeblichen Naturkatastrophe, konnte einmalig und eindrucksvoll mitverfolgt werden.

Das Rutschgelände ist auch heute noch nicht ganz zum Stillstand gekommen und hat sich in den letzten Jahren inoffiziell auf knapp achtzig Hektar ausgedehnt.

„Nationaler Geotop“ und Naturschutzgebiet:

1988 wurden 39,4 Hektar zum Naturschutzgebiet erklärt, um ungestört und ohne Einfluss des Menschen die Wiederbesiedelung der Tier- und Pflanzenwelt beobachten zu können.
Am 12. Mai 2006 erhielt der Mössinger Bergrutsch von der Akademie der Geowissenschaften e. V. unter Beteiligung der UNESCO als einer der „bedeutendsten Geotope Deutschlands“ das Prädikat „Nationaler Geotop" verliehen.

Text: Armin Dieter

Führungen:

  • Das Bergrutschgelände steht unter Naturschutz und darf daher nur auf den ausgeschilderten Wegen betreten werden.  Informationen dazu gibt eine Übersichtstafel auf dem Parkplatz "Bergrutsch". Dieser ist über den Stadtteil Talheim ausgeschildert.

    Bei den von Herrn Armin Dieter angebotenen Führungen kann man sich genauer über die Ursachen und die Entwicklung des Bergrutsches sowie der Tier- und Pflanzenwelt vom ersten Tag an (auch anhand von einzigartigem Bildmaterial) informieren.

    Die Begehung des Bergrutschgebietes auf den ausgeschilderten Wegen und die Teilnahme an den Führungen sind auf eigene Gefahr.

Öffentliche Führungen:

  • Ohne Voranmeldung jeden 1. Sonntag im Monat von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr von Mai bis Oktober.

    Kosten:

    Erwachsene pro Person: 10 Euro
    Kinder/Jugendliche: 5 Euro
    Familien: 20 Euro
    Kinder bis 8 Jahre frei

Gruppenführungen:

  • Von Mai bis Oktober nach Terminabsprache. Wahlweise 1,5 Stunden oder 2,5 Stunden. Spezielle Führungen für Kindergärten / Schulklassen / Senioren.


    Gruppen-Führungehn kosten 119 Euro (inkl. Mwst.)

    Sonderpreise auf Anfrage für spezielle Führungen.

  • Treffpunkt für alle Führungen ist am Parkplatz Bergrutsch. Die Führungen finden bei jedem Wetter statt.

    Bei allen Führungen wird Bildmaterial über die Entwicklung des Bergrutsches vom ersten Tag an gezeigt.

    Teilnehmen können alle Interssierten ohne Gehhilfe. Festes Schuhwerk ist erforderlich. Die Teilnahme erfogt auf eigene Gefahr.

Informationen, Führungen, Dia-Vorträge: