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Geburtstagebuch 1846
Geburtstabelle 1846 Detail

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"Nachts um 1 Uhr gerufen" -
das Mössinger Geburts-Tagebuch


Und Geburtshilfe leisteten die Hebammen. Ab dem 19. Jahrhundert verlangten zwar Medizinalverordnungen, dass bei schwierigen Geburten ein Arzt zu rufen sei. Doch in ländlichen Gebieten war dieser häufig weit entfernt und die Hebamme oft auf sich selbst gestellt. In Mössingen betreute Mitte des 19. Jahrhunderts die Hebamme Barbara Strohmaier die örtlichen Geburten. Ihre akribische Dokumentation jeder Niederkunft ist heute noch im Geburts-Tagebuch (B 595) des Stadtarchivs nachzulesen.

               Geburtstabelle 1846

In Mössingen betreute Mitte des 19. Jahrhunderts die Hebamme Barbara Strohmaier die örtlichen Geburten. Ihre akribische Dokumentation jeder Niederkunft ist heute noch im Geburts-Tagebuch (B 595) des Stadtarchivs nachzulesen. Am 15. September 1860 wurde die Hebamme beispielsweise „nachts um 1 Uhr“ zu der 19jährigen Ehefrau des Bernhard Mang gerufen, die nach drei Stunden einen „lebenden“ und „reifen“ Knaben zur Welt brachte. In diesem Fall war es die erste Geburt der Mutter. Sechs Jahre später brachte dagegen eine 44jährige Mössingerin ihr 19. Kind (!), ein Mädchen, zur Welt. Dass der Vorname der Mutter in der Tabelle keine Erwähnung fand, war der Rechtsstellung der Ehefrau als des Hausvaters „Weib“ geschuldet. Lediglich bei Müttern unehelicher Kinder wurde der volle Name niedergeschrieben. Jährlich Ende Juni legte die Hebamme dem Pfarrer die Tabelle der etwa 50-70 Geburten zum Abgleich mit den Kirchenbüchern vor.
Die Liste dokumentiert den genauen Verlauf der Geburt. Kam es zu Komplikationen, endete es nicht selten für Kind und Mutter tödlich. Dennoch weist die Liste unvermutet wenige Totgeburten auf. Der Blick ins Mössinger-Belsener Ortsfamilienbuch zeigt jedoch, dass zahlreiche Nachkommen das Erwachsenenalter nicht erreichten. 1870 lag die Kindersterblichkeit in Deutschland noch bei 25%. Nicht selten findet sich auch bei Zwillingsgeburten der Vermerk „lebend“. Doch gerade diese Kinder starben häufig noch in den ersten Lebensmonaten. Im Juni 1858 brachte dagegen die 36jährige Anna Maria Lutz nach fünfstündiger Geburt als 9. und 10. Kind die Zwillinge Margaretha und Waldburga zur Welt. Beide Schwestern erreichten das für die damalige Zeit fast biblische Alter von 80 und 82 Jahren.

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