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Ausstellung 40 Jahre im Foyer
Plakat 40 Jahre Stadt
Ausstellung des Stadtarchivs
"40 Jahre Stadt -
Mössingen 1974 bis 2014"
vom 15. Mai bis 2. Oktober 2014 im Foyer des Mössinger Rathauses:

Mo-Fr  7.30-12 Uhr
Mo, Di 14-16 Uhr
Mi, Do 14-18 Uhr

Blick ins Archiv

„40 Jahre Stadt - Mössingen 1974 bis 2014“
Ein Rundgang durch die Ausstellung – Teil 1


Das Datum der Stadterhebung fiel in das Jahr der 1.200jährigen Ersterwähnung Mössingens im Jahre 774. Die Ausstellung zeigt eine Replik derselben.
Die Ersterwähnung Mössingens findet sich im Lorscher Codex (Urkunde 3285), einer Urkundensammlung des berühmten karolingischen Klosters Lorsch in der Nähe von Worms. Der Codex wurde Ende des 12. Jahrhunderts als Kopialbuch von gut 3.800 Urkunden zusammengestellt, die heute im Original nicht mehr erhalten sind. Das Kloster sicherte und dokumentierte damit seine Rechte und Besitztümer. Der Lorscher Codex wird heute im Staatsarchiv Würzburg aufbewahrt. Die in der Ausstellung gezeigte Replik stammt von dort.

        Lorscher Codex

Die Urkunde benennt eine Schenkung eines Herrn namens Hitto, der seinen gesamten Mössinger Besitz an das Lorscher Kloster übereignete. „In Christi Namen, am 29. Dezember im 7. Jahr [774] des Königs Karl [dem Großen]. Zu meinem Seelenheil übergebe ich, Hitto, dem heiligen Märtyrer N[azanus] eine Spende. Der Leib des Heiligen ruht im Lorscher Kloster, dessen Herr der ehrwürdige Abt Gundeland ist. Die Obergabe erfolgt nach meinem Wunsch für immer und, wie ich ausdrücklich betone, aus freien Stücken. Ich schenke im alemannischen Gau in der Gemarkung Mössingen alles, was ich dort besitze. Die Vereinbarung ist rechtswirksam geworden. Geschehen im Lorscher Kloster.“ Für viele Gemeinden stellt der Codex die älteste und weithin einzige geschriebene Geschichtsquelle aus dem Frühmittelalter dar.
Anders in Mössingen. Aus dem Jahr 789 ist uns eine weitere und zudem originale Urkunde im Stiftsarchiv von St. Gallen überliefert. Aus dieser geht hervor, dass zwei Hechinger mit den Namen Adelbertus und Wolfredus dem Kloster St. Gallen einen Gutshof mit umfangreichem Landbesitz und Wald in Hechingen schenkten. Die Beurkundung der Schenkung fand statt: „Actum villa publice Masginga […] anno XXI karoli regis francorum – beurkundet im Dorf Mössingen […] im 21. Jahr des fränkischen Königs Karl [dem Großen]“
 
        Urkunde St. Gallen 789
 
In früheren Zeiten verstand man unter „villa publica“ noch „Staatshof oder Gerichtsstätte“, was bei der Übersetzung der Urkunde von 789 dazu führte, dass Mössingen sogar als Zentralort des fränkischen Gaues „Hattenhuntari“ interpretiert wurde. Mit der heutigen Übersetzung von „villa publica“ als „Dorf oder Gemeinwesen“ nimmt man von der einstigen Zuschreibung dieser hohen regionalen Bedeutung Mössingens im 8. Jahrhundert Abstand. Es kann auch ein reiner Zufall gewesen sein, dass die Herren Adelbertus und Wolfredus in Mössingen beurkunden ließen.
Die beiden Urkunden stellen wertvolle „kleine Blitzlichter“ im Dunkel der frühmittelalterlichen Geschichte dar, aus der generell wenig Schriftliches überliefert ist. Die historische Information der Urkunden ist aber recht gering: Vielmehr, als dass nicht näher bekannte Personen hier in der Gegend reich begütert waren und dass Mössingen eine eigene Gemarkung aufwies, erfährt man hier leider nicht. Über die eigentliche Entstehung Mössingens wissen wir viel mehr durch archäologische Funde, die in der alemannischen Besiedlungszeit um 550 n. Chr. einsetzen. Den reich ausgestatteten Grabfunden nach zu schließen, war der Ort eine bedeutende und vergleichsweise große alemannische Siedlung hier in der Gegend.
Vom Hoch- bis Spätmittelalter gehörte Mössingen zur Herrschaft der Grafen von Zollern. Der überschuldete Graf Friedrich der Öttinger verkaufte Mössingen jedoch im 15. Jahrhundert an die Grafschaft Württemberg. Hier wurde es dem Amt Tübingen zugeordnet. Unter einem Amt ist heute die Verwaltungseinheit des Landkreises zu verstehen. 1709 erhielt Mössingen die Genehmigung einen Jahrmarkt abzuhalten, der ein Jahrhundert später zusammen mit Viehmärkten bereits dreimal jährlich stattfand und die Region versorgte. Das Dorf zählte in dieser Zeit 2.500 Einwohner und bildete zusammen mit den umliegenden Orten ein sogenanntes Unteramt. Dieses übernahm für die umliegenden Gemeinden Verwaltungsaufgaben.

        Inventur und Teilung 1762

In den Inventuren und Teilungen von 1762 wird als „Amtmann zu Mössingen“ Johann Carl Heller erwähnt. Dieser wurde – wie der Band dokumentiert - häufig bei Inventuren, also Vermögensauflistungen von Eheleuten im Heiratsfall oder Teilungen, Vermögensaufstellungen im Todesfall, tätig.
Mit der Erhebung Württembergs zum Königreich kam es zu einer Umgestaltung der Landkarte. Mössingen wurde von 1810 bis 1938 dem Oberamt Rottenburg zugeordnet. Hier war es nach Rottenburg die zweitgrößte Gemeinde. Im Jahre 1871 zählten Rottenburg 6.145 und Mössingen 3.560 Einwohner. Die anderen Gemeinden hatten höchstens 1.700 Einwohner. In Mössingen gab es bereits ab 1865 eine Poststelle und vier Jahre später erfolgte der Anschluss an die Eisenbahn. Durch eine Reihe von Industrieansiedlungen wandelte sich der Ort allmählich zum Arbeiter- und Bauerndorf.
Die örtlichen Geburten wurden im Geburtenbuch und die Todesfälle im Leichenschau-Register niedergeschrieben. Beide Bücher legte man in regelmäßigen Abständen dem Oberamtsarzt in Rottenburg vor. Zwei dieser Bände aus der Zeit 1846-1848 sind in der Ausstellung zu sehen. Der Einband des Leichenschau-Registers weist zahlreiche Postmarken mit der Aufschrift „Mössingen“ und „Rottenburg“ auf, was zeigt, dass der Band regelmäßig nach Rottenburg und wieder zurückgeschickt wurde.
 
        Geburtsbuch und Leichenschauregister 1846-1848
 
Das Bevölkerungswachstum in Württemberg war im reichsweiten Vergleich relativ gering. Die Ursache lag weniger an der niedrigen Geburten- als an der hohen Auswanderungsrate. Zwischen 1871 und 1895 wanderten allein aus Mössingen annähernd 30% der Einwohner aus. Anfang des 20. Jahrhunderts zählte Mössingen 4.000 und Belsen 900 Einwohner. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl nochmals überdurchschnittlich an. 1970 umfasste Mössingen eine Einwohnerzahl von 9.300 und galt als das „größte Dorf im Lande“.

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