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Auswanderersegelschiff 1852

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Wege Mössinger Auswanderer
Mit dem Schiff nach Ost und West


Und speziell Mössingen war einer der Orte in Württemberg mit den höchsten Auswanderungszahlen. Grund für die hohe Auswanderungsrate war die begrenzte örtliche Markung am Fuße der Alb, deren durch Realteilung stark verkleinerten Güter und Parzellen die Bewohner nicht mehr ausreichend ernähren konnten.
Die große Auswanderungswelle in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte die Menschen vor allem in den Osten: nach Polen, in die Ukraine oder nach Georgien. Vor allem Auswanderer mit Zielen in der Schwarzmeerregion wählten von Ulm ausgehend donauabwärts die Fahrt mit der sogenannten „Ulmer Schachtel“. Die Boote, die vorne und hinten mit langen Rudern manövriert wurden, boten mit ihrem einfachen Holzaufbau nur notdürftig Schutz für die Passagiere. Viele Reisebeschreibungen schildern die Strapazen der 2.500 Kilometer langen Flussfahrt. In den beengten Verhältnissen des Schiffes kam es nicht selten zu Krankheiten und Todesfällen. War die Reise glücklich überstanden, erwartete sie jedoch in der Regel eine bessere Zukunft. Rundum Odessa waren auf Geheiß des russischen Zaren Alexander I. Anfang des 19. Jahrhunderts Siedlungen entstanden, in denen den Einwanderern Boden für die landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung gestellt wurde. Angebaut wurden Getreide, Obst, Gemüse und Wein. Der ausgewanderte Ludwig Herter sandte seinem Vater 1825 aus Russland nach Mössingen die traurige Nachricht, dass von seinen sechs Kindern inzwischen vier verstorben waren. Wirtschaftlich dagegen schien es ihm gut zu gehen, verzichtete er doch auf jeglichen Erbanspruch in seiner alten Heimat.

                        Fahrkarte nach Amerika: Schiffskontrakt 1852

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das Ziel der Mössinger Auswanderer in der Regel Nordamerika. Allein zwischen 1871 bis 1895 wanderten aus Mössingen 30% der Bewohner aus. Auf dem Schultheißenamt wurden zahlreiche Bürgerrechts-Verzichtsurkunden unterschrieben. Im  Stadtarchiv Mössingen ist heute noch ein Schiffskontrakt erhalten, mit dem 52 Mössinger 1852 nach New York ausreisten. Ihre Reise führte sie zunächst über Land zum württembergischen Hafen Heilbronn, von dem sie das Dampfschiff über Neckar und Rhein zum Seehafen Rotterdam brachte. Dort ging es dann auf ein Dreimaster-Segelschiff, mit dem der Atlantik überquert wurde. Jeder Passagier erhielt dort „einen Platz im Zwischendeck, Bettstelle und wenn nöthig Apotheke, Platz in der Küche zum Kochen, süßes  Wasser, Kohlen und Licht sowie vollständige Lebensmittel auf der Reise von Heilbronn bis New York“. Was ganz passabel klingt, war eine spärliche Ausstattung. Eine Überfahrt dauerte etwa 70 Tage. Durch Enge, mangelhafte Ernährung und Hygiene wurden viele Passagiere krank. Extreme Stürme setzten ihnen zusätzlich zu. Erst ab den 1870er-Jahren brachten Verordnungen zur ordentlichen Unterbringung von Schiffspassagieren mit ausreichend Platz, Beleuchtung, sanitären Einrichtungen und Rettungsausrüstung Verbesserungen. Viele der „Mössinger Emigranten“ waren recht jung: Martin Beck wanderte 1893 mit 14 Jahren in die USA aus, 1897 tat es ihm der 15jährige Schreiner Hermann Wagner gleich. In der Regel folgten diese bereits in den USA lebenden Verwandten. Während die meisten dauerhaft in der neuen Welt sesshaft wurden, kehrten manche nach einer gewissen Zeit wieder zurück in die Heimat. Der Metzger Johannes Ayen, der mit Frau und Tochter in die USA gegangen war, kam 1896 wieder zurück. Ein Jahr später kehrte der Zimmermann Jakob Gauß mit Familie nach 12 Jahren Aufenthalt in Übersee den USA den Rücken und ließ sich wieder im Steinlachtal nieder.
Ausgewanderte und unbekannt verzogene Mössinger, die es versäumt hatten, eine Bürgerverzichts-Erklärung zu unterschreiben, wurden im Laufe der Zeit mit Gemeinderatsbeschluss zwangsweise ausgebürgert. Andere erhielten dagegen die jährliche Erinnerung, die Mössinger Bürgersteuer von 8 Mark zu entrichten. Der Mössinger Missionar Martin Maier erwiderte am 10. Januar 1898 aus Nyenhangli/China, dass er sich auf der Bürgerliste streichen lassen möchte, „da er nun bereits 17 Jahre von der Heimat abwesend sei und sich voraussichtlich nicht mehr in Mössingen niederlassen werde, wenigstens für die Dauer nicht.“

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