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Brief Barbara Meyer 1894

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„Ich hätte viel mit dir zu sprechen …“
Pflegschaftsrechnungen des 19. Jahrhunderts


Die Unterlagen geben einen detaillierten Einblick in den Lebensalltag der Zeit. Nicht selten sind darin Erbangelegenheiten dokumentiert, bei denen ein Pfleger für ausgewanderte Erbberechtigte tätig wurde.
1880 verwaltete der Öschinger Konrad Schneider den Erbteil des seit einigen Jahren nach Amerika ausgewanderten Johannes Lutz. Einige Jahre zuvor hatte der Vater Konrad Lutz den Sohn bereits brieflich darum gebeten, eine Vollmacht zugunsten von Konrad Schneider zu unterschreiben. Die Notwendigkeit der Stellvertretung sah Johannes Lutz damals noch nicht gegeben, schrieb er doch an seinen Vater: „Ihr schickt mir eine Vollmacht, lesen kann ich sie, aber was es bedeuten soll, kann ich nicht ausrechnen.“ Vielmehr berichtete er über seine schwache Gesundheit und seine Hoffnung, dass es dem Vater gesundheitlich gut ginge: „Lieber  Vater, ich hätte viel mit dir zu sprechen, wenn ich nur 2 Stunden in deiner Anwesenheit wäre.“ Ob er nochmal dazu Gelegenheit hatte, ist aus der Akte nicht ersichtlich, aber sehr unwahrscheinlich. Der Weg von Washington im Staate Arkansas nach Öschingen war weit und die Überfahrt über den Atlantik machten die Auswanderer in der Regel nur einmal. Fünf Jahre später verstarb der Vater und der inzwischen bevollmächtigte Pfleger Konrad Schneider konnte für den Sohn tätig werden. Er verkaufte die ererbten Äcker, Wiesen und Waldstücke und ließ dem Johannes Lutz die Verkaufssumme in Höhe von $ 308,75 per Wechselpapier im Februar 1881 in Amerika zukommen.

 Kuvert an Paulus Rein 1894 Quittung  1894

Anders erging es der aus Öschingen stammenden Barbara Meyer, die 1894 aus Louisville, Kentucky in Öschingen nachfragte, wo denn das ererbte Geld von ihrer Großmutter bliebe. Der „Dette“ oder Patenonkel Paulus Rein hatte als amtlich bestellter Pfleger das Geld bereits zehn Jahre zuvor an das Amtsnotariat Mössingen gegeben. Erst auf Anfrage von Barbara Meyer wurde es schließlich über das Bank- und Wechselgeschäft Carl Laiblin in Heilbronn nach Louisville, Kentucky überwiesen.
Für Familienforscher können diese Archivalien eine interessante Quelle sein.

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