Trennlinie
Bürgerverzeichnis 1828

Anfragen ans Stadtarchiv:
0 74 73 / 37 0 - 1 56 oder
per E-Mail:
stadtarchiv@moessingen.de

Blick ins Archiv

"Wegen Nichtbezahlung der Gebühr ausgebürgert"
das Bürger-Verzeichniß


Ein Mössinger beispielsweise hatte neben dem Staatsbürgerrecht des Königreiches Württemberg auch das Mössinger Gemeindebürgerrecht inne. Wollte er sich an einem anderen Ort in Württemberg niederlassen, musste er das dortige Bürgerrecht erwerben. Die Aufnahme in dasselbe war an ein gewisses Vermögen und ein „gutes Prädikat“ gebunden. Der Neubürger leistete schließlich einen Eid auf die Rechtsordnung der Gemeinde, entrichtete eine Aufnahmegebühr und zahlte in der Folge eine jährliche Bürger- bzw. Recognitionssteuer.
Im Stadtarchiv sind die Bürgerverzeichnisse von Mössingen, Belsen, Öschingen und Talheim aus dem 19. Jahrhundert vorhanden. In diesen findet man namentlich alle in der jeweiligen Gemeinde lebenden Bürger mit Beruf, Geburtsdatum, Geburtsort, Art und Datum des Bürgerrechtserwerbs sowie die Art und den Zeitpunkt des Austritts aus dem Bürgerrecht bzw. das Erlöschen durch Tod.

                   Bürgerliste 1828
 
Die häufigste Begründung des Bürgerrechtserwerbs war die der „Bürgersohnschaft“. Das volle Bürgerrecht, mit dem auch die Übernahme eines politischen Amtes wie beispielsweise das eines Gemeinderats verbunden war, galt nur für Männer. Frauen waren in dieser Zeit in das Recht des Vaters oder des Ehemannes miteinbezogen. Der Bürgerrechts-Status bestand auch in Ortsabwesenheit weiter, wenn nicht ein Verzicht erklärt wurde. Die Gemeinde trieb dann auch bei den Ortsabwesenden die Bürgersteuer ein. 1888 bat der Belsener Steuereinnehmer Dieth den Schullehrer Georg Müller in Birkenfeld um die Entrichtung der „rückständigen Recognitionsgebühr von 6 M[ark] pro 1886/87.“ Müller erwiderte, dass er bereits 1886 seinen Verzicht auf das Mössinger Bürgerrecht erklärt und die Gebühr somit nicht mehr zu entrichten habe. Er wurde daraufhin aus der Bürgerliste gestrichen. Auf viele Anschreiben erhielt die Gemeinde aber auch keine Antwort, so dass der Gemeinderat die ehemaligen Einwohner per Ratsbeschluss aus dem Bürgerrecht ausschloss. In den örtlichen Bürgerlisten im Stadtarchiv ist eine hohe Anzahl von Auswanderungen verzeichnet. Der Bäcker Johannes Mader war im September 1846 nach Siebenbürgen ausgewandert und hatte wohl auf sein Bürgerrecht verzichtet. Als er nach zwei Jahren wieder nach Mössingen zurückkehrte, galt er als „Heimatloser“. Ein neues Bürgerrecht erwarb er nicht mehr, 1859 wanderte er endgültig nach Amerika aus. Die Bürgerlisten vermitteln einen interessanten Einblick in die Einwohner- und Sozialstruktur der jeweiligen Gemeinde.

Brief an Schullehrer Müller 1888Brief von Schullehrer Müller 1889

Blick ins Archiv Bürgerverzeichnis als PDF

Zurück zu Blick ins Archiv