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Aktendeckel Rechtsstreitigkeiten

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Zankapfel Mostfass
Gemeindegerichts-Protokolle Öschingen


Aktendeckel Strohmaier Klageschrift                              
 
Im Archivbestand Öschingen (A 17) findet sich ein Rechtsfall des Jahres 1930, in dem die Hebamme Anna Strohmaier ihren früheren Ehemann auf die Herausgabe eines von ihr in die Ehe eingebrachten Mostfasses verklagte. Am 11. Dezember 1930 legte die Klägerin vor dem zehnköpfigen Gemeindegericht, das sich aus Schultheiß und Gemeinderat zusammensetzte, sowie dem beklagten früheren Ehemannes dar, dass sie im Januar 1920 drei Mostfässer mit in die Ehe eingebracht habe. Im Dezember 1928 sei sie aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen, „weil sie es bei ihrem Mann nicht mehr aushalten konnte“ und nahm das kleine Fässchen mit. Die beiden anderen Fässer mit jeweils 245 Liter und 325 Liter Fassungsvermögen musste sie dagegen deshalb zurücklassen, weil diese zu diesem Zeitpunkt noch mit Most gefüllt waren. Nachdem die Ehe im Dezember 1929 geschieden worden war, holte Anna Strohmaier im folgenden Januar das zweitgrößte, inzwischen leere Fass mit 245 Liter ab. Das dritte Fass wurde schließlich vom Rottenburger Gerichtsvollzieher offiziell gepfändet und der Inhalt an den Bruder des einstigen Ehemannes für 10 Reichsmark verkauft.  Die Klägerin erklärte: „Ich habe schon verschiedene Male versucht, mein Fass zu bekommen, aber mein früherer Ehemann verweigert die Herausgabe.“ Der Beklagte behauptete nämlich, nicht nur der Inhalt, sondern auch das Fass selbst sei an seinen Bruder verkauft worden. Der Fall, in dem Aussage gegen Aussage stand, gestaltete sich schwierig. Da das Gemeindegericht die Eigentumsverhältnisse nicht klären konnte, verwies es den Fall an das Rottenburger Amtsgericht. Wie das Urteil dort ausfiel, lässt sich aus den im Stadtarchiv vorliegenden Unterlagen leider nicht herauslesen. Eventuell ist das Rottenburger Urteil in einem anderen Archiv überliefert. Dieses Öschinger Beispiel sowie andere Fälle dieser Art gewähren jedoch Einsichten in die Amtspraxis der Dorfgerichtsbarkeit sowie in das örtliche Alltagsleben um 1930.

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