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Wenn's ans Teilen geht -
Inventuren und Teilungen


Bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) 1899 war es in Württemberg gesetzliche Verpflichtung, dass der Nachlass eines Verstorbenen in einem offiziell niedergeschriebenen Verzeichnis aufgelistet wurde. Dieses sollte innerhalb von 30 Tagen nach Tod des Erblassers erstellt werden, so dass die Teilung unter den Erben spätestens nach drei Monaten erfolgen konnte.

Regalmeterweise Inventuren Testament

Ebenso hatte jeder Bürger sein Vermögen bei seiner Heirat verzeichnen zu lassen (Inventur), so dass sich noch nach Jahrzehnten feststellen ließ, welcher Ehepartner welches Vermögen mit in die Ehe gebracht hatte und was während der Ehe erwirtschaftet wurde. So sollten Erbstreitigkeiten vermieden werden. Die Auflistungen umfassten neben Gebäuden und Grundstücken jeden Gegenstand des täglichen Lebens: Bargeld, Möbel, Schmuck, Bücher, Kleider, Bett- und Tischtücher, Geschirr, Werkzeug, Vorräte, Getränke und Essen. Der Schreiber ging dabei von Raum zu Raum und schrieb alle beweglichen Güter - wie er sie vorfand - in der Liste nieder. Nicht immer wurde eine geordnete Reinschrift als Endfassung hergestellt. Nach einer gewissen Zeit wurden die Listen chronologisch in Bänden gebunden und mit Ledereinband versehen.
Für die Erforschung der Alltags- und Sozialgeschichte eines Ortes sind die Inventuren und Teilungen von großer Bedeutung, geben sie doch detaillierten Einblick in frühere Besitzverhältnisse. Sogar die Titel der Bücher, die in den örtlichen Haushalten zu finden und zu lesen waren, lassen sich ermitteln. Allerdings waren dies oft nicht viele Exemplare. Zum festen Bestand gehörten in fast jedem Haushalt eine Bibel, ein Gesang- und ein Gebetbuch. So ist es auch im Inventar des Talheimer Bauern Johann Plankenhorn und seiner Ehefrau Margarethe aus dem Jahr 1863 aufgeführt. Als besondere Gegenstände brachte der Mann eine „silberne Uhr, samt Kette“ und die Frau „Gold-, Silbergeschmuck“ im Wert von einem Gulden und ein „Spinnrädle“ mit in die Ehe.

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