Trennlinie

Reisepass Helene Straube, Ehefrau von Johannes Maier

Anfragen ans Stadtarchiv:
0 74 73 / 37 0 - 1 56 oder
per E-Mail:
stadtarchiv@moessingen.de

Blick ins Archiv

Der Opa kam aus Talheim -
Familie Gonzalez Maier aus Chile zu Besuch


Als der älteste Sohn einer kinderreichen Talheimer Familie machte sich Johannes Maier in jungen Jahren auf die Suche nach Arbeitsmöglichkeiten fernab der Heimat. Die Mutter Maria war kurz nach der Geburt von Zwillingen im Alter von 39 Jahren verstorben, der Vater knapp vier Jahre später. So waren die ältesten Geschwister gefordert, die Kinderschar durchzubringen. Die 19jährige älteste Tochter Catharine kümmerte sich fortan um die Schar von vier Geschwistern im Alter von 4 bis 10 Jahren. Und Johannes wurde als Mechaniker auf Rheinschiffen tätig, um Geld an die Familie zu schicken. 1912 heuerte er auf einem Handelsschiff in Richtung Argentinien an.

Ehepaar Gonzalez Maier aus Chile im Stadtarchiv Johannes Maier aus Talheim wanderte 1916 nach Südamerika aus

Dort angekommen arbeitete er sieben Jahre beim Bau der U-Bahn in Buenos Aires, ehe er 1922 nach Chile emigrierte. 1923 reiste er nochmals nach Deutschland. Seine Schwester Catherine war inzwischen verheiratet und als Johannes sah, dass die anderen Geschwister groß genug waren, um selbst für sich zu sorgen, begann er sich nach seiner Rückkehr in Chile, ein eigenes Leben aufzubauen. In Valparaiso kaufte er sich ein Stück Land und baute eine mechanische Werkstatt auf. 1926 lernte er die aus Frauenstein im Erzgebirge stammende, 23-jährige Helene Straube kennen und heiratete sie. Ein Jahr später kam die Tochter Gisela zur Welt, es folgten zwei Töchter und ein Sohn. Claudio Gonzalez Maier, der Sohn von Gisela, berichtet: „Mein Opa arbeitete weiterhin sehr hart ohne jemals Urlaub zu machen. Er erweiterte seinen Betrieb, baute ein Haus für die Familie. Er war sehr diszipliniert und hat nicht viel geredet. An seine Familie in Deutschland wurde weiterhin gedacht. Seine Frau und seine drei Töchter strickten immer warme Kinderkleidung, die sie nach Deutschland schickten.“  
Für die älteste Tochter von Johannes Maier, Gisela, wurde der Traum, sich auf die Spuren ihrer deutschen Wurzeln zu machen, erst im Alter von 80 Jahren wahr. 2008 reiste sie mit ihrer Schwiegertochter Lily nach Deutschland und besuchte Frauenstein im Erzgebirge, den Geburtsort der Mutter. Bei der Suche nach dem Geburtsort des Vaters landeten sie in Talheim bei Heilbronn, wo ihre Anfrage erfolglos blieb. Da die Reise kurz darauf endete, mussten sie ihre Suche abbrechen. Anfang dieses Jahres erhielt Claudio Gonzalez Maier auf seine Anfrage im Stadtarchiv Mössingen die Nachricht, dass das Talheim im Steinlachtal der Geburtsort des Großvaters war und dass dessen Vorfahren schon seit 400 Jahren in Talheim lebten. Diese freudige Nachricht konnte er seiner Mutter noch mitteilen, ehe sie kurze Zeit später verstarb.
Eine für dieses Jahr geplante Reise nach Deutschland wurde vom Ehepaar Gonzalez Maier im Hinblick auf das 1.250-jährige Jubiläum Talheims kurzerhand auf Juni verlegt. Zum großen Festakt im Talheimer Festzelt am Samstag waren auch Sohn Alonso und Tochter Magdalena aus London angereist. Ortsvorsteher Heller bat die vier „weitest gereisten Gäste“ auf die Bühne und begrüßte sie offiziell ganz herzlich. Claudio Gonzalez Maier sprach in sehr gutem Deutsch seinen Dank aus: „Ich fühle sehr mich geehrt, heute bei den Feierlichkeiten in Talheim dabei zu sein. Es ist der Ort, wo mein Großvater und damit auch wir unsere Wurzeln haben.“
Durch Familienforschungen im Archiv konnten sogar Cousinen 3. Grades von Claudio Gonzalez Maier ausfindig gemacht werden, die heute noch in Talheim wohnen. Im Festzelt kam es dann zu einer freudigen Familienzusammenführung, bei der Kontaktdaten ausgetauscht wurden. Die Familie Gonzalez Maier möchte die Beziehungen nach Talheim weiter pflegen.

Text als PDF

Zurück zu Blick ins Archiv