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Burkhardts 1924

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Blick ins Archiv

Auf den Spuren der Großmutter -
Familie Burkhardt aus Kanada in Mössingen


Vier Wochen sind die Burkhardts insgesamt auf Reisen: nach dem Besuch von Frankfurt, Bremen, Berlin und einem Abstecher nach Österreich kamen sie letzte Woche auf den Spuren ihrer Vorfahren ins Steinlachtal. Bereits Anfang des Jahres war Jim Burkhardt auf der Suche nach Informationen zur Großmutter mit dem Archiv in Kontakt getreten. Stadtarchivarin Franziska Blum sandte Auszüge aus dem Familienregister und recherchierte nach Verwandten. In der Nähe von Reutlingen machte sie Karl Haap, einen Enkel des Bruders von Katharina Haas ausfindig und gab mit dessen Einwilligung die Kontaktdaten weiter. Zwischen den beiden Cousins zweiten Grades entstand ein erster Kontakt per E-Mail. Am 20. Mai trafen sie sich nun das erste Mal im Mössinger Rathaus.

V. li. n. re.: Karl Haap, Bürgermeister Gönner, Familie Burkhardt und Stadtarchivarin Blum Haus Haas in der Waibachstraße: im Vordergrund Katharina Burkhardt, geb. Haas mit ihren Kindern Friedrich, Waltraud und Maria 1926

Jim Burkhardts Großmutter Katharina wurde 1896 in Mössingen als siebtes Kind des Schuhmachers Johann Georg Haas und der Catharina, geborene Nill geboren. Fünf der sechs Geschwister waren schon in jungen Jahren verstorben, so dass die kleine Katharina im elterlichen Haus in der Waibachstraße zunächst nur mit dem 8 Jahre älteren Bruder Johannes aufwuchs. Nach zwei weiteren jung verstorbenen Kindern hatte die Mutter drei Mädchen und einen Jungen zur Welt gebracht, die das Erwachsenenalter erreichten. Der älteste Bruder Johannes war 1917 im Krieg gefallen. Katharina arbeitete als junge Frau bei der Seidenspinnerei Ammann & Söhne - dem Vorgängerbetrieb der Trikotwarenfabrik Merz – und trug so zum Unterhalt der siebenköpfigen Familie bei. 1922 heiratete sie den Goldarbeiter Christian Burkhardt aus Oberlengenhardt im Schwarzwald. Der gemeinsame Sohn Friedrich Georg war schon kurz vor der Ehe zur Welt gekommen. Wo sich das Paar kennengelernt hat, ist unbekannt. Da der Vater von Katharina jedoch aus Reutin bei Alpirsbach stammte, bestanden familiäre Kontakte in diese Gegend, die die beiden wohl zusammen führten. Es kamen noch die Töchter Waltraud und Maria zur Welt, ehe das Paar 1926 nach Toronto/Kanada auswanderte.
Zusammen mit seinem älteren Bruder – ebenfalls Goldarbeiter von Beruf - gründete Christian Burkhardt in Toronto die „Burkhardt jewellery“, in der bis zu zehn Beschäftigte tätig waren. Zwei Söhne kamen noch in Kanada zur Welt: kurz nach der Einwanderung Alec, der Vater von Jim. Und 1932 der jüngste Sohn Albert. Jim Burkhardt berichtete: „Meine Großeltern hatten ein gutes Leben in Kanada. Die beiden jüngsten Söhne Alec und Albert arbeiteten mit im Betrieb. Der Großvater Christian starb jedoch 1960 bei einem Autounfall. Der Betrieb bestand dann noch eine Weile weiter. Alec und Albert führten ihn zuletzt gemeinsam. Dann wurde er aber verkauft.“
Beim Rundgang durch Mössingen sahen die Burkhardts u.a. das Geburtshaus der Großmutter in der Waibachstraße, die Peter-und-Paulskirche, das Rechenmacherhaus, das alte Rathaus und die Messerschmiede der Familie Nill. Jim Burkhardts Urgroßmutter stammte aus der alteingesessenen Mössinger Familie Nill. Zwischen dem Eigentümer der alten Messerschmiede, Johannes Nill, auch der „Lustig“ genannt, und der Urgroßmutter Catharina Nill finden sich weitläufige verwandtschaftliche Verbindungen. Stadtarchivarin Blum gab den Burkhardts den Stammbaum der Urgroßmutter mit auf den Weg. „It’s amazing“ war Jims Reaktion, als er sah, dass sich die Nill-Linie bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Bevor sich die Burkhardts in den Folgetagen auf die Spuren des Großvaters in den Schwarzwald begaben, stand noch ein Besuch Tübingens auf dem Programm.
 
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