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Brief des Johannes Haug

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"Amerika hat auch seine Fehler" -
Auswandererbriefe aus Übersee


Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft in Übersee wurde jedoch herb enttäuscht. So schrieb Johannes Haug wenige Monate nach seiner Ankunft in den USA: „Ich will es meinem Schwager Michael nicht rathen, wenn er nicht gut verkaufen kann, daß er in dieses Land kommen soll, denn es gibt sehr viele Schwierigkeiten bis man nur an Ort und Stelle ist und dann ist die Sprache noch am schlimmsten bis man sie ein wenig versteht. Die Geschäfte gehen in Amerika bereits so schlecht wie in Deutschland […] Was mich anbetrifft habe ich das ganze Jahr durch Arbeit und bin noch immer auf meinem ersten Platz, meine Beschäftigung ist Bodenteppich zu machen.“

Inventur und Teilung Talheim 1862 Brief aus Amerika 1849

Etwas später zog er nach Philadelphia weiter, von wo er drei Jahre lang Geld an die Familie sandte und schrieb: „Im Westen kauft man Land für 1 Dollar 25 Cent pro Acker und wenn ein Mann arbeitsam ist, kann er durch einige Jahre unablässigen Fleiß sich ein kleines Eigenthum erwerben […] Ich bin nun im Begriffe morgen nach Evansville [Indiana] abzureißen und zwar nicht blos allein für meinen Nutzen, sondern auch dort für Euch mich umzusehen, was in meinen Kräften steht, will ich für euch thun und sollt es für Euch tauglich dort sein, so werde ich bis frühjahr alles genauer schreiben.“ Ein Jahr später gab er dann aus Evansville, wo er zeitweise in einer Brauerei arbeitete, zu bedenken: „Ihr müßt nicht denken, daß man hier die Dollar nur zusammen streifen kann wie viele denken.“ Der Traum, die Familie nach Amerika nachzuholen, wurde letztlich nicht Wirklichkeit.
Die in den Briefen niedergeschriebenen Einblicke in die Lebenswirklichkeit des 25jährigen Auswanderers Johannes Haug finden sich heute im Stadtarchiv Mössingen. Sie wurden den Talheimer Inventuren und Teilungen beigefügt, in denen die Vermögensaufstellungen bei Heirat oder Todesfall enthalten sind. Als nämlich der Vater Michael Haug 1862 in Talheim verstarb, versuchte man die beiden Söhne in Amerika ausfindig zu machen. Deren Erbteil verwaltete bis zur endgültigen Klärung der Verhältnisse ein Pflegschaftsverwalter. Während von Johannes drei Briefe vorlagen, hatte man über den jüngsten Sohn keinerlei Nachricht aus Amerika. Der Sohn und Bruder Michael schien bewusst seinen eigenen Weg gegangen zu sein, denn er hatte sich nie mehr bei der Familie gemeldet. Der Versuch des Johannes, Kontakt mit dem drei Jahre jüngeren Bruder aufzunehmen, blieb erfolglos. Aber auch die Spur des Johannes verliert sich 1853 mit dem letzten Brief. Den Namen der beiden Brüder wurde demnach im Nachlass des Vaters der Vermerk „Aufenthalt unbekannt“ hinzugefügt.
Dies kann nun zweierlei bedeuten: Entweder sie waren verstorben, ohne dass die Familie Nachricht erhielt. Oder der „amerikanische Traum“ war für den einen oder anderen doch noch in Erfüllung gegangen und das kleine Erbe aus Talheim war nicht mehr von Bedeutung.

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