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Vor der Turnhalle

Jugendguide-Stadtgang zum "Mössinger Generalstreik"
buchbar bei VHS Tübingen, Tel. 0 70 71 / 56 03 29

Infos auch bei Stadtarchiv Mössingen,
Tel. 0 74 73 / 37 0-1 56
oder per E-Mail:
stadtarchiv@moessingen.de

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Jugendguides erinnern an den "Mössinger Generalstreik" vor 81 Jahren


Jugendguides vor Turnhalle Bei Firma Merz

Der Erste Tübinger Landesbeamte Hans-Erich Messner stellt das Jugendguide-Projekt vor, OB Bulander begrüßt die Gäste, unter ihnen auch den Landtagsabgeordneten der GRÜNEN Daniel Lede-Abal. An jeder der fünf Stationen berichten die Jugendguides über die Ereignisse von 1933, besondere Biographien, Hintergründe und Bewertungen. Ausgangspunkt der Tour ist die Langgass-Turnhalle. Gwen Keppler legt hier die Gründe dar, warum es in Mössingen eine ausgeprägte Arbeiterbewegung gab. 1925 baut diese die Langgass-Turnhalle. „Hier wurde nicht nur geturnt. Die Turnhalle war das kulturelle linke Zentrum Mössingens“, erläutert sie.  Doch Anfang der 1930er-Jahre erhielt die NSDAP in Mössingen über 40%. Aus dem roten wurde ein braun-rotes Dorf. Nach Hitlers Machtübernahme mobilisierte die Mössinger KPD eine Gegendemonstration. „Heute vor 81 Jahren sind etwa 100 Personen von hier aus Richtung Pausa gezogen. Und das machen wir jetzt auch“, lädt Gwenn Keppler das Publikum ein.
Am Standort der alten Pausa, wo heute die Seniorenwohnanlage „Haus an der Steinlach“ steht, berichtet Cornelis Theuer über die Rede des Reutlinger KPD-Unterbezirkschef Fritz Wandel. Dieser forderte die Pausa-Arbeiter zum Streik auf. „Jede Minute seiner etwa viertelstündigen Rede büßte Wandel später mit einem Jahr Unfreiheit“, so Theuer. Während sich die Pausa-Arbeiter mehrheitlich für den Streik entschlossen, sah es bei den Firmen Merz und Burkhardt anders aus. Die Näherinnen bei Merz weigerten sich, es kam zu Handgreiflichkeiten. Jugendguide Moritz Nuber, der auf dem ehemaligen Fabrikgelände auf die Unternehmervilla von Otto Merz hinweist, weiß von den Diskussionen um die Bewertung der Gewaltanwendung bei Merz: „Ganz sicher ist Gewalt kein Mittel in einer Demokratie. In der damaligen Situation ist das anders zu bewerten. Jeder muss sich dazu aber seine eigene Meinung bilden.“ Aus dem Publikum kommt der Hinweis, dass die Gerichtsurteile der 1950er-Jahre die Streikteilnehmer rehabilitierten und die Verhältnismäßigkeit der Mittel gewahrt sahen.
Der Weg führt die Teilnehmer des Rundgangs nun die lange Bahnhofstraße entlang. 800 Teilnehmer waren es am 31. Januar 1933. Heute ist das Firmengelände der ehemaligen Fabrik Burkhardt offen. Jugendguide Valentin Heinze: „Damals war die Betriebsleitung bereits von Merz gewarnt und die Fabriktore waren verschlossen. Einzelne Streikende stiegen über den Zaun, manche schwenkten die roten Fahnen vor den Fabrikfenstern. Als sich einzelne an den Türen zu schaffen machten, rief der Streikführer Jakob Stotz zur Besonnenheit und zum Rückmarsch.“
Dass Merz nicht nur Burkhardt warnte, sondern auch die Polizei rief, merkten die Streikenden auf ihren Rückweg ins Dorf. Auf der halben Höhe der Bahnhofstraße standen sie einer Phalanx von 40 Reutlinger Schutzpolizisten gegenüber. Die meisten Streikenden flüchteten rechts und links über das damals noch unbebaute Gelände. Jonas Monninger hierzu: „Sie waren sicher keine Helden.“  Dass das Thema bis heute noch im Ort emotional diskutiert wird, weiß der Mössinger aus eigener Erfahrung. „Für mich ist die Ideologie der Streikenden zweitrangig. Ihre Tat war mutig und weitsichtig. Daran sollten wir erinnern“, schließt er.

Der Jugendguide-Stadtgang zum „Mössinger Generalstreik“ ist über die VHS Tübingen buchbar, Tel. 0 70 71 / 56 03 29
Dauer: 1,5 h, Kosten pro Gruppe: EUR 35,--

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