Stadtnachricht

Vive le Jumelage – es lebe die Partnerschaft!



Festwochenende anlässlich des 25-jährigen Partnerschaftsjubiläums zwischen Mössingen und dem Kanton Saint-Julien-en-Genevois

Eine Delegation mit weit über 100 Teilnehmern im Alter von acht bis über 80 Jahren, angeführt vom Oberbürgermeister und bestehend aus Mitgliedern des Gemeinderates, der Stadtverwaltung, zahlreichen Bürgern bzw. Mitgliedern des Partnerschaftskomitees, Musikern des Symphonischen Blasorchesters der Jugendmusikschule Steinlach sowie Schülern des Quenstedt-Gymnasiums und hiesigen Künstlern, machte sich auf drei Busse verteilt am Freitagnachmittag, 12. Juni 2015, bei hochsommerlichen Temperaturen auf den Weg in den Partnerkanton, um dort den ersten Teil der Feierlichkeiten anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft zwischen dem Kanton Saint-Julien und der Stadt Mössingen zu begehen. 

Gegen Abend erreichte die Gruppe aus Mössingen nach rund 8-stündiger Fahrt den Kanton Saint-Julien. Mit großer Freude und unter lautem Hallo wurden die Gäste dort in Archamps herzlich willkommen geheißen und auf die einzelnen Gastgeber verteilt, wo man den Tag mit einem Abendessen und guten Gesprächen bis tief in die Nacht ausklingen ließ.

Am Samstagvormittag konnten die Teilnehmer unter verschiedenen Angeboten auswählen. Bei schönem Wetter konnte bei einem geführten Spaziergang das renaturierte Flüsschen Aire erlebt werden. Eine kleine Wanderung führte in die Weinberge zwischen Perly und Bernex, wobei die Teilnehmer selbstverständlich auch die angebauten Weine bei einer Weinprobe kosten konnten. Ein interessanter Rundgang brachte die Sehenswürdigkeiten bzw. die Historie der Stadt Saint-Julien näher. Die sportlichen Teilnehmer konnten an einem Boule-Turnier teilnehmen.

Zur Mittagszeit wurden alle Teilnehmer bei einem Picknick bzw. mit Gegrilltem verköstigt. Auch am Nachmittag standen verschiedene Aktivitäten für die großen und auch kleinen Teilnehmer zur Auswahl, z.B. eine historisch-kulturelle Führung durch Collonges-sous-Salève. Dieser Ort war in der Vergangenheit bei Künstlern sehr beliebt. So hatte in dessen Kirche einst der Komponist Giuseppe Verdi geheiratet und der Komponist Maurice Ravel zeitweise dort seinen Wohnsitz. Mancher Gastgeber machte aufgrund des wunderschönen Wetters auch einen kleinen Ausflug mit seinen Gästen. Auffallend viele Teilnehmer trafen sich so zufällig auf dem fast 1.400 m hohen Hausberg, dem Mont Salève, von wo aus ein phantastischer Blick auf die umliegende Gegend einschließlich den Genfer See bzw. die Stadt Genf genossen werden konnte.

Etwas ganz Besonderes wurde allen Einwohnern des Kantons bzw. den Gästen aus Mössingen im Rahmen einer Kunstausstellung in Collonges-sous-Salève geboten, an welcher sich zahlreiche Künstler sowohl aus Mössingen als auch aus dem Partnerkanton beteiligten. Die zahlreichen Kunstwerke erfreuten sich großer Aufmerksamkeit und das ein oder andere Objekt fand auch einen neuen Eigentümer.

Am Samstagabend fand in der Festhalle von Collonges-sous-Salève der offizielle Festakt anlässlich des 25-jährigen Partnerschaftsjubiläums statt. Eingerahmt von den vielbeachteten Aufführungen der Harmonie von Saint-Julien und dem symphonischen Blasorchester der Jugendmusikschule Steinlach, das vom begeisterten Publikum stehende Ovationen bekam, brachten die Ansprachen an diesem Abend die Bedeutung der gegenseitigen Partnerschaft zwischen dem Kanton Saint-Julien und der Stadt Mössingen zum Ausdruck.

Zum Auftakt begrüßte der Bürgermeister von Collonges-sous-Salève, Georges Etallaz, als Hausherr sehr herzlich die Gäste und stellte kurz seine Gemeinde vor.

Oberbürgermeister Michael Bulander erinnerte in seiner Ansprache an den offiziellen Beginn der Partnerschaft vor 25 Jahren, als Hans Auer als damaliger Mössinger Bürgermeister und André Duval als damaliger Kantonspräsident im Rahmen des Mössinger Stadtballs am 13. Januar 1990 die Partnerschaftsurkunde unterzeichneten. Der zweite Teil der Feierlichkeiten fand dann im September des gleichen Jahres im Kanton Saint-Julien statt. Bis heute ist die Partnerschaft gekennzeichnet durch eine gegenseitige Vertiefung bestehender Kontakte und die Entstehung neuer Beziehungen, durch vielfältige Aktivitäten, regelmäßige Begegnungen und dem Zustandekommen von Freundschaften.
Bulander betonte, dass gerade auch viele Schüler und Jugendliche aus Mössingen und Saint-Julien in den Austausch eingebunden sind und so die Zukunft einer gelebten Partnerschaft, die Zukunft eines vereinten Europas sicherstellen. Der Oberbürgermeister bedankte sich bei Allen, die in den vergangenen 25 Jahren auf deutscher und französischer Seite zum Gelingen der Partnerschaft beigetragen haben, namentlich bei Hans Auer und André Duval sowie den bisherigen und aktuellen Vorsitzenden der beiden Partnerschaftskomitees und deren Mitgliedern.

Als Jubiläumsgeschenk wurde den französischen Freunden eine sogenannte „Albliege“ übergeben. Diese Panoramaliegen begeistern in Mössingen zahlreiche Besucher bzw. Wanderer des „Dreifürstensteigs“ und dienen sowohl als Sitz- und Liegegelegenheit wie auch zum Ausruhen und Erholen, zum Ideen sammeln oder einfach, um neue Perspektiven zu entdecken. Den gleichen Zweck soll das mit einer Jubiläumsplakette versehene Gastgeschenk auch im Kanton Saint-Julien erfüllen, wobei eine Aufstellung der Albliege auf der Terrasse der Festhalle von Collonges-sous-Salève mit Blick Richtung Mössingen vorgesehen ist.

Pierre-Jean Crastes, Kantonspräsident des Kantons Saint-Julien, dankte insbesondere seinen Vorgängern André Duval und Bernard Gaud, dem Partnerschaftskomitee, seinem Präsidenten André Guillot und seinen Vorgängern sowie den Gastfamilien für ihr Engagement im Zeichen der Partnerschaft.
Weitere Grußworte entrichteten Christian Monteil, Präsident des „Bezirksrates“ sowie dessen Stellvertreterin, Virginie Duby-Muller, die gleichzeitig Abgeordnete der Nationalversammlung in Paris ist.

Gebhard Staib, Vorsitzender des Mössinger Partnerschaftskomitees, verwies auf die  Grundlage der gemeinsamen Begegnungen, nämlich die gegenseitige Beachtung und Gastfreundschaft auf deutscher und französischer Seite. Die regelmäßig stattfindenden Besuche stellten eine Bereicherung im Hinblick auf die jeweilige Kultur und Lebensart dar. Staib wies darauf hin, dass zu einer guten Partnerschaft auch die Erlernung der jeweils anderen Sprache gehöre, wobei Grundlage bzw. Voraussetzung hierfür auch eine entsprechende Schulpolitik schaffen müsse. Im Jahre 1990 wurde die Partnerschaft offiziell besiegelt, nach jetzt 25 Jahren seien aus den Partnern längst Freunde geworden.

Abschließend blickte der Vorsitzende des Partnerschaftskomitees aus Saint-Julien, André Guillot, nicht ohne Stolz auf die vergangenen Höhepunkte gemeinsamer Aktivitäten zurück und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die kommende Generation die begonnene Partnerschaft mit Erfolg weiterträgt.
Im Anschluss an die Festansprachen wurde die „Albliege“ gleich an Ort und Stelle von den anwesenden Honoratioren eingeweiht. Ein Abendessen in Buffetform ließ keine Wünsche offen. Zu vorgerückter Stunde nutzten viele Festgäste ausgiebig die Möglichkeit, das Tanzbein zu schwingen.    

Nach einer für manche Teilnehmer sehr kurzen Nacht fand das offizielle Programm am Sonntagmorgen mit einem kleinen Streichkonzert der französischen Musikschule ABC, einer pantomimischen Aufführung des „Petit Théâtre du Salève“ und einem weiteren Konzert des symphonischen Blasorchesters der Jugendmusikschule Steinlach unter der bewährten Leitung von Michael Koch seine Fortsetzung.

Im Anschluss an ein gemeinsames Mittagessen und mit abschließenden Dankesworten für die überwältigende Gastfreundschaft, kam für viele Teilnehmer viel zu schnell der Zeitpunkt, um Abschied zu nehmen. Doch nicht für lange. Auf ein baldiges Wiedersehen im Oktober in Mössingen, wo der zweite Teil der Jubiläumsfeierlichkeiten stattfinden wird.


(Bericht: Tanja Weiblen, Partnerschaftskomitee Mössingen)