Brunnen an der Belsener Kapelle

Bei dem Brunnen handelt es sich um den bereits 1522 erwähnten „Galbrunnen am gemein Geißlin“, der 1852 und 1884 untersucht wurde und beim Bau der Leichenhalle 1960 als Wasserentnahme-stelle diente. Dann wurde er zugedeckt und geriet in Vergessenheit. Im Jahr 2002 hat der Obst- und Gartenbauverein Belsen mit Hilfe der Feuerwehr Belsen den bis zur Oberfläche mit Wasser bedeckten Brunnenschacht leer gepumpt und von Gerümpel befreit. So fanden sich Teile der oberirdischen Brunnenfassung, die in die Tiefe gestürzt waren. 1852 berichtete Ernst Maier in „Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben“, dass die Einwohner von Belsen sie zum Hausbau abtransportiert hätten.

                          Brunnen an der Belsener Kapelle

Übrig blieb also ein im Boden konservierter steinerner Schacht mit einem Durchmesser von neunzig Zentimetern und einer Tiefe von etwa zehn Metern, der durchgängig bis zum Grund mit denselben Sandsteinen gemauert ist, die auch im Gebäude der Belsener Kirche verwendet wurden. Ihre Herkunft ließ sich mit einem Steinbruch zwischen Stein und Rangendingen bestimmen. 1884 wurden Keramikgefässe und ein kupferner Kessel gefunden (jetzt im Stadtmuseum Tübingen), die ins Hochmittelalter datieren. Die beim Bau verwendeten Steine lassen es wahrscheinlich erscheinen, dass der Brunnen mit der Errichtung der im 11. Jahrhundert erbauten und später zerstörten Vorgängerkapelle zeitlich wie logistisch in Verbindung zu setzen ist. Es war dies die einzige Wasserquelle für die Bauarbeiter im weiten Umkreis. Da der Brunnen wohl zeitlich vor der Kirche fertig gestellt wurde, und im Gegensatz zu ihr noch intakt im Boden erhalten ist, stellt er vielleicht das älteste erhaltene Bodendenkmal der Stadt dar. 

Text und Fotos: Jürgen Meyer