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Buchtipp:

Das Bauhaus kam nach Mössingen. Geschichte, Architektur und Design der einstigen Textilfirma Pausa
Hermann Berner / Werner Fifka (Hrsg.)

Talheimer Verlag, 2006
ISBN 3-89376-118-7


Symbol Lebenslage   Informationen :

Aufzählungszeichen  Dr. Hermann Berner
Museumsleiter
Brunnenstraße 3/1
72116 Mössingen

Telefon: 07473 / 27 20 12
Fax: 07473 / 27 20 13
E-Mail: moessingen.museum@t-online.de

Navigationsdaten:
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Die Textildruckfirma „Pausa“

In der Falltorstraße in Mössingen gründete 1875 Johann Georg Hummel eine mechanische Weberei. Nach verschiedenen Besitzerwechseln kauften 1919 die jüdischen Gebrüder Felix und Artur Löwenstein die Firma und gaben ihr den Namen Pausa, nach dem Ort Pausa im Vogtland, in dem sie eine Lohnweberei betrieben.

Die Buntweberei Pausa begann Anfang der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts mit dem Handmodeldruck und stellte 1931 auf Filmhanddruck um.

Bis Ende der 20er Jahre expandierte die Pausa und erwarb sich durch die hohe Qualität ihres Stoffdrucks internationales Ansehen. Die Firma gewann bei der Weltausstellung 1929 in Barcelona einen großen Preis, und es bestanden intensive Kontakte zum Dessauer Bauhaus. Vom Bauhaus wurden Mitarbeiter rekrutiert und Muster für Stoffe bezogen. Während der Expansionsphase errichtete man ein neues Fabrikgebäude an der Reutlinger Straße, dem Gelände der späteren „Neuen Pausa“. Die Weltwirtschaftkrise ging jedoch auch an der Pausa nicht spurlos vorüber. Der Umsatz brach auf ein Viertel des vorherigen Umfangs ein. Nachdem sich die Firma bis Mitte der 30er Jahre wieder weitgehend wirtschaftlich erholt hatte, wurde der Betrieb 1936 arisiert und ging in Besitz der Firmengruppe Burkhardt-Greiner über.

Nach der jahrelangen Produktion von Verdunklungsstoffen und anderer kriegswichtiger Artikel, nahm die Pausa in den Nachkriegsjahren unter Willy Häussler einen rapiden Aufschwung. Er begann eine systematische Kooperation mit bedeutenden Malern und Grafikern. Wohl als erste Textilfirma in Deutschland produzierte die Pausa Dekorationsstoffe nach Künstlerentwürfen. HAP Grieshaber, der später auch wesentliche Teile der künstlerischen Ausstattung der Firmengebäude lieferte, machte 1948 den Anfang. Von herausragender Bedeutung sind die Stoffe Willi Baumeisters, die als die bekanntesten zeitgenössischen „Künstlerstoffe“ in Deutschland gelten. Später folgten Stoffe von Anton Stankowski, Verner Panton, Piero Dorazio und anderen. Außerdem arbeiteten zahlreiche bekannte Textilgestalter für die Pausa, darunter Anneliese May, Walter Mathysiak, Elsbeth Kupferroth und Leo Wollner.

Die Dekorationsstoffe der Pausa gehörten jahrzehntelang zu den international renommiertesten Erzeugnissen im Bereich des Textildrucks. Davon zeugen zahlreiche Besprechungen in einschlägigen Fachzeitschriften wie „Architektur und Wohnform“, „Innendekoration“ oder „Die Kunst und das schöne Heim“, aber auch die Präsenz der Firma auf wichtigen Ausstellungen der Nachkriegszeit, z. B. 1949 auf der Kölner Werkbund-Ausstellung, 1951 auf der IX. Triennale in Mailand oder 1957 auf der Bauausstellung „Interbau“ in Berlin, auf der man ein von Alvar Aalto entworfenes Haus mit Textilien ausstattete. 1955 gehörte die Pausa zu den fünf deutschen Firmen, die im Victoria and Albert Museum in London eine Ausstellung über aktuelles deutsches Wohndesign bestreiten durften, und 1958 wurden Pausa-Stoffe im deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Brüssel gezeigt.

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Die Umsatzzahlen stiegen von 1946 bis 1951 um das zehnfache. Schon bald wurde der Bau neuer Fabrikgebäude notwendig. Zwischen 1951 und 1961 entstanden zusätzliche Firmengebäude neben dem alten Shedbau an der Karl-Jaggy-Straße - die „Neue Pausa“. Die Gebäude wurden vom damals noch weitgehend unbekannten Architekten Manfred Lehmbruck entworfen und sind Ausdruck eines eigenen „Pausa-Stils“, der in den 50er Jahren seine Ausbildung fand. Alles musste im Rahmen eines „Corporate Design“ aus einem Guss sein. Der Pausa-Stil fand sich nicht nur in den Stoffen und Gebäuden, sondern auch in den Werbeprospekten und der Einrichtung der Besucherräume bis hin zur Gestaltung von Firmenbleistiften, Streichholzbriefchen und des Firmenbestecks.

Willy Häussler und der Stuttgarter Graphiker Anton Stankowski standen für diesen Stil, der sich unter dem Motto „kompromisslose Beständigkeit in gutem Geschmack“ und „Modernität und Variation“ zusammenfassen lässt. Auch sollte, um den Qualitätsansprüchen gerecht zu werden, möglichst alles im eigenen Haus gefertigt werden, von der Rohware bis zu den Farbmischungen.

Der hohe Qualitätsstandard konnte in den 60er und 70er Jahren weitgehend gehalten werden. Man beschäftigte um die sechshundert Mitarbeiter in der Firma. Junge Künstler wie Verner Panton, Ulrike Romberg und Adolf (Andreas) Felger arbeiteten für die Pausa und entwarfen immer neue Dekorationsstoffe, die weltweite Anerkennung fanden.

In den 80er und frühen 90er Jahren waren zwar die Umsatzzahlen nach wie vor hoch, aber die ausländische Konkurrenz drohte die deutsche Textilindustrie zu verdrängen. Werner Greiner, der Stiefsohn von Willy Häussler, war inzwischen zum Firmenchef aufgestiegen. Er versuchte, durch neue Techniken und Neuentwicklungen seine Marktposition zu halten, aber der hohe Aufwand, der in der Pausa getrieben wurde, war nicht mehr zeitgemäß. Schließlich meldete die Pausa im Jahr 2001 Insolvenz an und die Textildruckfirma Beck aus Reutlingen-Mittelstadt kaufte den Betrieb. Als 2004 die Firma Beck den Betrieb einstellte und das Druckereigebäude abbrechen wollte, wurde die Pausa auf Antrag des Landesdenkmalamtes als Sachgesamtheit (Lehmbruckgebäude mit Zubehör sowie die Sammlungen von Stoffmustern, Musterbüchern, Entwurfszeichnungen, Firmenbibliothek und –archiv) als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung unter Schutz gestellt. Schließlich erwarb die Stadt Mössingen 2006 das gesamte Areal der Neuen Pausa einschließlich der Gebäude und der Sammlungen.

Die Stoffproduktion der Pausa hat sich im Laufe der Jahrzehnte in außerordentlich umfangreichen Firmensammlungen mit ca. 40.000 Stoffmustern, etwa 600 Musterbüchern und rund 8.000 Entwürfen für Stoffe niedergeschlagen. Dazu kommen etliche Tausend Fotos von Entwürfen und Stoffen sowie Farbauszüge, Siebdruckschablonen, umfangreiches Schriftgut und weitere Quellen, die den gesamten Produktionsprozess belegen.

Diese Sammlungen dokumentieren die gesamte technische und gestalterische Entwicklung der Pausa-Stoffe nahezu lückenlos seit den 1930er Jahren bis zur Einstellung der Produktion. Die Sammlungen besitzen daher einen großen wissenschaftlichen Wert als Archiv für historische Dekorationsstoffe, der noch gesteigert wird durch den Umstand, dass die Pausa auch für viele andere Firmen Druckaufträge ausführte. Über den engeren Bezug zum Textildruck hinaus haben die Sammlungen aber auch einen besonderen wissenschaftlichen Wert im Hinblick auf die allgemeine Geschichte des Textildesigns und der Geschmacksentwicklung, da in den Stoffen der Pausa stets die modernsten Zeitströmungen verarbeitet und in eine dem Medium Stoff angemessene Gestaltung transponiert wurden. So spiegelt sich z. B. in den Entwürfen der 1950er Jahre die damals höchst aktuelle abstrakte Kunst des Tachismus und des Informel in der Art von Willi Baumeister oder Hans Hartung wieder. Aber auch kulturelle Strömungen wurden von den Stoffen schnell rezipiert, z. B. von den Kollektionen „Inka“ von 1960 oder „Africana“ von 1965 als charakteristische Beispiele für die zeittypische Sehnsucht nach fernen Ländern oder von der visionären Kollektion „Computer Design“ von 1971 mit ihren abstrakt-linearen Entwürfen.

Neben der auf den Bauhausstil gründenden Architektur der von Manfred Lehmbruck entworfenen Firmengebäude der „Neuen Pausa“, sind auch die Sammlungen der Pausa von außerordentlicher Bedeutung. Sie dokumentieren über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten in außerordentlicher Breite und Qualität die Entwicklung des deutschen Textildrucks.