Die Anfänge der Blumenstadt

Blumenstadt wird man nicht von heute auf morgen. Der Weg dorthin war buchstäblich steinig, schweißtreibend und nicht immer vor Rückschlägen gefeit.

Am Anfang stand nicht der Wunsch die Stadt schöner zu machen, sondern die Notwendigkeit Geld zu sparen. Der Stadtsäckel war zu Beginn der 90er Jahre bedenklich leer geworden. Vom Gemeinderat und der Stadtverwaltung wurde in allen Bereichen versucht, den leeren Kassen durch Einsparungen bei freiwilligen Leistungen und Rationalisierung von Aufgaben zu begegnen. Ein gewichtiger Faktor in allen Diskussionen war der Personalaufwand.

Da kam die Vision gerade gelegen, dass es doch möglich sein müsste, durch Abkehr vom pflegeintensiven Standard „Rasen“ (mit zahlreichen Mähintervallen zwischen Frühjahr und Herbst, intensiven Dünge- und Bewässerungserfordernissen) Kosten einzusparen. Stadtgärtnermeister Dieter Felger hatte die entscheidende Idee: Warum nicht stattdessen Blumen einsäen? Werden die Naturwiesen der Streuobstbestände traditionell nicht auch nur zwei- bis dreimal jährlich gemäht? Kommen sie nicht grundsätzlich ohne Dünger und künstliche Bewässerung aus? Warum dieses in Mössingen stets gegenwärtige Vorbild nicht in die Stadt (über)tragen!

Die Idee fand im Rathaus schnell Anklang, war aber bei der Bevölkerung lange Zeit nicht unumstritten. Die Stadtverwaltung hat daher im Jahr 2004 insgesamt acht unterschiedliche "Referenzflächen" bestimmt, für welche die Stadtgärtnerei dann alle angefallenen Leistungen und Lieferungen mit den entsprechenden Kosten festgehalten und aufgestellt hat. In der Folge erhielt man einen qualifizierten Überblick über die Kosten der verschiedenen Bewirtschaftungsmethoden.
Die detaillierte Untersuchung ergab, dass bis auf die Referenzfläche "Trockenrasen", die eine bewusst hergestellte Besonderheit darstellt, die Blumenwiesen grundsätzlich preisgünstiger zu pflegen sind und nicht die teilweise befürchteten Mehrkosten verursachen. Gleiches gilt auch für die Grünstreifen als Straßenbegleitgrün.
In der Konsequenz wurde daher nach weiteren geeigneten, wirtschaftlich zu betreibenden Blumenwiesen-Flächen gesucht. Außerdem wurde damit begonnen, teilweise selbst Samen zu ernten und auch zu vermarkten. So konnte zusätzlich eine gewisse Kostenentlastung erreicht werden.
Die Mössinger Straßenrabatten und Grünanlagen stehen inzwischen von Februar/März (Zwiebelblumen) bis Dezember (letzte Rosen) in Blüte, mit Schwerpunkt natürlich im Sommer. Und das alles bei letztlich geringem Pflegeaufwand.

Begonnen hat die spannende Entwicklung zur Blumenstadt bereits Anfang der 90er Jahre des "letzten" Jahrhunderts. Damals wurden erste Versuche auf einzelnen Flächen unternommen. Der üppigeren Blütenpracht wegen zunächst mit Blumen des traditionellen Bauerngartens, z.B. Klatschmohn (Papaver rhoeas), Schmuckkörbchen (Cosmea), Ringelblumen (Calendula) und Prunkwinden (Ipomoea).