Die Umsetzung in der Stadt

In den Folgejahren experimentierte die Stadtgärtnerei immer wieder mit der Ansaat von Blumen, wechselte Sorten und Standorte und gewann so vielfache Erfahrungen. Mittlerweile werden in den fünf Ortsteilen über fünf Hektar Fläche gezielt mit wechselnden Sommerblumenansaaten gestaltet.

Verwendung finden nicht nur heimische Arten. Doch viele der robusten Dauerblüher wurden schon vor Jahrhunderten hier angesiedelt und sind auch in zahlreichen naturnahen Gärten zu finden: Ringel- und Sonnenblumen, Königskerzen, Stockrosen, blauer Lein oder Rosen und ihre Begleitpflanzen, zum Beispiel. Hinzu kommen Lavendel, Ysop, Steppensalbei, Blauminze und andere. Mit ihnen wurde quasi ein zweites Standbein etabliert – die Pflanzung öfter blühender mehrjähriger Stauden. Kaum ein Jahr vergeht seither ohne weitere Versuche und Ideen: Farben, Düfte, alte landwirtschaftliche Nutzpflanzen – alles Themen, die erfolgreich umgesetzt wurden.

Blumenwiese mit Holzfiguren

Auf Agenda-Initiative entstand im Weiten Hardt zusammen mit dem Obst- und Gartenbauverein Mössingen ein Lehr- und Schaugarten. Initiiert von der Agenda-Arbeitsgruppe „Innenstadt“ wurden 2003 in der Mössinger Stadtmitte mit Rosenbögen überspannte grüne Sitzplätze installiert. Dieses Projekt mit dem Namen „Räume aus heimischen Pflanzen – Orte der Begegnung“ ist vom baden-württembergischen Umweltministerium sogar prämiert worden.

Ein gutes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements für die Blumenstadt stellt sicherlich auch die Realisierung eines kleinen Parks an der Ecke Mössinger Straße/Federstraße unter Mithilfe des Obst- und Gartenbauverein Belsen dar. Diese grüne Oase an der Schnittstelle zwischen altem und neuem Dorf hat sich in kurzer Zeit zu einem beliebten Treffpunkt in Belsen entwickelt.

Etliche Mössinger Bürgerinnen und Bürger sowie ein Jahrgang bringen sich als Grünpaten mit ein. Sie haben die dauerhafte Pflege von Rabatten übernommen, hegen zum Beispiel die grüne Mitte eines Kreisverkehrs oder bewässern im Sommer benachbarte Straßenbäume.

Durch den ehrenamtlichen Einsatz der Grünpaten können einerseits für städtische Pflegekolonnen unwirtschaftliche kleinere Grünflächen aus dem normalen Pflegeablauf ausgeklammert und so Kosten gespart werden. Zum anderen wird signalisiert, dass die Bürgerschaft sich für die städtischen Grünflächen mit verantwortlich fühlt, sie wertschätzt und deshalb auch mithilft, die Anlagen zu schützen und zu pflegen.

Blumenmeer mit Nachtviolen

Seit 2006 gibt es außerdem einen offenen Freundeskreis, der sich als Anlaufstelle für alle Menschen sieht, die sich für Blumen interessieren und den Gedanken der "Blumenstadt Mössingen" vertiefen möchten. Ziel ist es, durch privates Engagement Mössingen als Blumenstadt weiter voranzubringen und die Stadt bei diesem Anliegen soweit möglich zu unterstützen.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen in diesem Zusammenhang die landschaftsprägenden Streuobstwiesen rund um die Blumenstadt, welche dank der unermüdlichen Pflege ungezählter „Freizeit-Landwirte“ sowie der beiden Obst- und Gartenbauvereine die Stadt im Frühjahr regelmäßig in ein duftiges weiß-rosa Blütenkleid hüllen.
Das Mössinger Modellprojekt im Regierungsbezirk Tübingen "Netzwerk Streuobst" arbeitet hier seit 2005 zusätzlich und sehr erfolgreich daran, das Thema "Streuobst" noch stärker ins allgemeine Bewusstsein zu bringen.

Ein Blühen allerorten also, das den meisten Einheimischen bei aller liebgewordenen Gewohnheit nach wie vor nicht gleichgültig ist, wie beispielsweise die BürgerKunstAktion „Mössinger Blumenmeer“ gezeigt hat. Auch der jährlich neu aufgelegte beliebte städtische Kalender „Blumenstadt Mössingen“ und die mittlerweile überregional nachgefragten besonderen Blumensamen-Mischungen „Mössinger Sommer“ sprechen für die große Verbundenheit mit „der“ Blumenstadt.

Blumenstadt nicht von heute auf morgen

  • bis 1991
    überwiegend konventionelle Pflege des öffentlichen Grüns (Straßenränder, Grünanlagen) als Rasen und Gehölzpflanzung, vermischt mit Rosen und Stauden.
  • ab 1992
    Erste Versuche mit der Einsaat von Blumen als Wiesenmischungen auf einzelnen Flächen entlang von Straßen, zum Beispiel der Butzenbadstraßeab 1992
  • 1995
    Aussaat einer naturnahen Blumenwiese auf dem Straßenbegleitstreifen der neuen Allee „Kanton Saint-Julien“
  • 1999
    Erste Versuche, abgeblühte Blumenwiesen mit speziellen Mähdreschern zu beernten, um so eigenes Saatgut zu gewinnen.
  • 2001
    Der 1. Mössinger Rosenmarkt wird sofort ein Erfolg und findet seither jährlich 15 000 bis 25 000 Besucher
  • 2001
    Teilnahme der Stadt am Bundeswettbewerb der Entente Florale „Unsere Stadt blüht auf“ mit dem Gewinn der Goldmedaille.
  • 2002/2003
    Erste Nutzung der Auszeichnung zur Positionierung als
    „Blumenstadt Mössingen“, zum Beispiel durch Samenaktionen, Presse und Kalender-Herausgabe.
  • 2004
    Kosten-Untersuchung von Referenzflächen
  • 2006
    "Fahr-mal-hin" Fernsehsendung über die Blumenstadt