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Netzwerk Streuobst

2010 konnte das Netzwerk Streuobst seinen Panoramaweg einweihen

Seit Mai 2010 gibt es einen Mössinger Panoramaweg des Netzwerks Streuobst

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Modellprojekt „Netzwerk Streuobst“

Die Streuobstwiesen prägen Mössingen und seine Stadtteile. Viele werden liebevoll gepflegt. Doch noch mehr wurden in den vergangenen Jahren zunehmend vernachlässigt. Um diesen Trend zu stoppen und den Bestand zu erhalten, bedarf es einer gemeinschaftlichen Kraftanstrengung. Und: es müssen vor allem junge Menschen sowie Familien wieder für dieses Thema sensibilisiert werden. Genau darauf zielt das Mössinger Modellprojekt „Netzwerk Streuobst“, das im Oktober 2005 vom Netzwerk Naturschutz gestartet und öffentlich vorgestellt wurde.

Kaum eine Gemeinde in der Region ist so wie Mössingen von einem fast intakten Streuobstgürtel umgeben. Sage und schreibe 40.000 Apfel-, Birnen-, Zwetschgen- und Walnussbäume wurden vor einigen Jahren rund um Mössingen gezählt.

Rund ein Viertel befindet sich im Eigentum der Stadt, ist aber zu einem guten Teil als so genannte Allmandteile für ein kleines Entgelt an Bürger verpachtet. Dreiviertel wird von privaten Grundstücksbesitzern, aber auch den Obst- und Gartenbauvereinen bewirtschaftet. Alle diese Obstbäume tauchen die Stadt jedes Frühjahr in ein duftiges Blütenkleid, liefern im Herbst gesundes Obst, bieten einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen Lebensraum, stellen Naherholungsräume dar und prägen das Landschaftsbild nachhaltig. Dennoch ist diese Idylle bedroht.

Neubaugebiete dehnen den Ortsrand aus und greifen in die alten Streuobstwiesen ein. Umgehungsstraßen schlagen meist zwangsläufig neue Schneisen in die alte Bepflanzung. Der Bestand an Streuobstwiesen ist jedoch auch wegen der geringen Wirtschaftlichkeit und des wachsenden Flächenverbrauchs seit langem rückläufig. Hinzu kommt eine zunehmende Überalterung und mangelnde Pflege der Bäume.

Nachdem wirtschaftliche Gesichtspunkte (wie der komplette Ausfall der Apfelernte im Jahr 2005 zeigte) kein Argument zum Erhalt der Streuobstwiesen sind, müssen andere Argumente den Erhalt sichern. Der ökologische Wert der Streuobstwiesen ist unbestritten. Streuobstwiesen sind Kulturgut, sie sind nicht von alleine entstanden, sondern sind im zurückliegenden Zeitraum durch regelmäßige Pflege gewachsen.

Absicht des Projekts ist es, den Blick für die vielfältigen Probleme zu schärfen, denen sich diese typische, aber bedrohte Kulturlandschaft ausgesetzt sieht. "Sieht man die alten Obstbäume mit ihrem landschaftsprägenden Habitus, so gibt es eine Verpflichtung an die jetzige Generation, dies zu erhalten", bringt es beispielsweise der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Mössingen, Hans G. Wener, auf den Punkt.

Nachdem es viele Interessierte (Stadt, Obst- und Gartenbauvereine, NABU, Schulen...) bei diesem Thema gibt, gilt es das Interesse zu bündeln und in gemeinsamen Aktionen zu organisieren. Unter dem Slogan "Mosttrinker sind Naturschützer" ist nur ein Aspekt der Verwertung angesprochen, eigener Apfelsaft von eigenen Bäumen (z.B. abgefüllt in "Bag-in-Box"-Gebinde), selbst gedörrtes Obst (im Solarschrank getrocknet...) ergeben auch für Kinder gesunde Zwischenmahlzeiten. Neupflanzungen (z.B. als verordnete Ausgleichsmaßnahmen), sollten ortsnah mit Hochstämmen gemacht werden. Anleitungen zur Pflege der Bäume und Verwertung der Ernte sind notwendig. Durch entsprechende Aktionen können neben den Vereinen auch Jüngere eingebunden werden, über die Schulen können in Projektarbeiten neue Bereiche erschlossen werden.

Genau hier setzt das im Regierungsbezirk einmalige Mössinger Modellprojekt an. Getragen insbesondere von Ehrenamtlichen, aber fachlich und organisatorisch unterstützt von Regierungspräsidium und Stadtverwaltung, soll es den gegenseitigen Austausch befördern, Ideen entwickeln und umsetzen helfen.
Zielgruppen sind vor allem Jugendliche und junge Familien, um die Pflege und den Erhalt der Streuobstwiesen auf neue Füße zu stellen und den Generationswechsel zu schaffen.

Mittlerweile sind bereits viele Aktionen gelaufen (A). Andere Projekte sind in Planung (P) oder befinden sich in der Realisierung (R):

  • Streuobstausstellung im Alten Rathaus (A)
  • Streuobstwiesenkartierung mit Erfassung des Pflegezustands (A)
  • diverse Schnittkurse der Obst- und Gartenbauvereine (A)
  • verschiedene jes-Projekte rund um Streuobst und seine Verwertung (A, R)
  • generationenübergreifende Aktionen unter Regie der Agenda-Gruppe „anders älter werden“
  • Werbeaktion für städtische Allmandteile (A)
  • Mostseminare in der Kulturscheune (A)
  • Streuobstwiesen-Wettbewerb für Kindergärten (A)
  • Faltblatt „Saftige Infos“ (A)
  • Internationales Jugendworkcamp im August 2007 (A)
  • 1. Mössinger Apfeltag am 21. Oktober 2007 (A)
  • Naturkundlicher Lehrpfad am Panoramaweg (A)
  • Jährliche Apfelfeste (A, R)
  • Mössinger Apfelsaft (A, R)

und etliches mehr.

Anfang Mai 2007 hat das Netzwerk "Streuobst" ein Faltblatt mit vielen Informationen herausgebracht. Unter dem Titel "Saftige Infos für Mössingen" finden sich neben einer allgemeinen Einführung in den Streuobstbau auch Kapitel zum Netzwerk, zur Pflanzung und Pflege von Obstbäumen sowie zahlreiche weiterführende Adressen.
Der Flyer liegt im Rathaus Mössingen sowie den Ortschaftsverwaltungen Öschingen und Talheim zur kostenlosen Mitnahme aus.

Informationen:

  • Auskunfts- und Anlaufstelle des Modellprojekts "Pflege von Streuobstwiesen in Mössingen":
    E-Mail: info@netzwerk-streuobst.de, Hans G. Wener, OGV Mössingen, Tel. 07473 / 8178.
  • Netzwerk Naturschutz: Regierungspräsidium Tübingen, Konrad-Adenauer-Straße 20, 72072 Tübingen
    Homepage: Hier klicken