Virtuelle Ausstellung "Wasser - Bäche, Mühlen und Bäder im Steinlachtal"

Das Museum Kulturscheune präsentiert die aktuelle Ausstellung „Wasser – Bäche, Mühlen und Bäder im Steinlachtal“ auch online.
Hier ist ein virtueller Rundgang durch das Museum möglich.
Die Steinlach ist der für unsere Landschaft namensgebende Wasserlauf. Sie schlängelt sich über 25 Kilometer durch das Albvorland in Richtung Tübingen, wo sie in den Neckar mündet. Ihren Ursprung hat die Steinlach in zwei Quellen oberhalb von Talheim. Auf ihrem Weg münden zahlreiche Bäche ein und verstärken ihren Lauf. In Talheim sind es Weiherbach, Kirchbach  und Seebach. Es folgt der von Öschingen herkommende Öschenbach und im Gewann Aible der Linsenbach. Durch den Mössinger Ortskern bewegt sich die Steinlach in einem steilen klammartigen Lauf. Heute wünschen sich viele wieder eine stärkere Erlebbarkeit der Bäche. Die Menschen lieben also das Wasser.
In den Gumpen, den tieferen Wasserstellen, gingen früher vor allem Kinder und Jugendliche zum Baden. Beliebt waren der Aiblesgumpen, der Knechtsgraben im Steinlachbogen beim Pausa-Gelände, der Schafgumpen bei der Unteren Mühle und das Bassin am Steinlachwehr. Doch nicht immer führte die Steinlach genügend Wasser zum Schwimmen. Auch die örtlichen Textilbetriebe trübten mit ihren Abwässern das Wasservergnügen. Immer wieder trieben tote Forellen und Enten in der Steinlach. So wurde der Wunsch nach einem öffentlichen Bad laut.

Der Blick ins Flussbett Spielende Kinder vor der Gipsmühle an der Steinlach, um 1900
An den Wasserläufen entstanden in früheren Zeiten Mühlen, die die Wasserkraft zum Antrieb nutzten. In Mössingen und den Teilorten gab es zeitweise bis zu acht Mühlen. Heute sind diese Gewerbebetriebe fast komplett verschwunden. Mit den in den ab 1957 gezahlten Stilllegungsprämien ging die einst weithin verbreitete „Welt der Mühlen“ verloren.

Wo standen die örtlichen Mühlen?
Eine der ältesten Getreidemühlen in Mössingen stand wohl bis ins 17. Jahrhundert beim Hornsteg. Der Weg von dort hinauf auf die Lehr, die heutige Spitalgasse, hieß früher "Milgaßen".

Mühle am Fritzenrain, späteres E-Werk
Die sogenannte „Fleckenmühle“ war die Mühle am Fritzenrain. Sie war mit dem Bannrecht ausgestattet, das alle Mössinger und Belsener verpflichtete, in dieser Mühle ihr Getreide zu mahlen. 1846 verkaufte die Gemeinde die Mühle an privat. 1909 wurde sie wieder von der Gemeinde gekauft. Es entstand das Gemeinde-Elektrizitäts-Werk.

Sägemühle am Fritzenrain
Direkt daneben stand die Sägemühle, die das Wasser vom selben Mühlkanal nutzte. 1928 brannte sie ab.

Gipsmühle am Hornsteg
Die Gipsmühle wurde 1836 neu erbaut. Der Betrieb wurde bis in die 1930er-Jahre über drei Generationen von der Familie Wagner betrieben.

Obere Mühle Mössingen
Die Obere Mühle wurde 1797 von Martin Müller erbaut. Ab 1889 wurde die Mühle über vier Generationen von der aus Öschingen stammenden Familie Kuppler betrieben.

Untere Mössinger Mühle
Die Untere Mössinger Mühle wurde 1852 erbaut. Sie wurde bis in die 1960er-Jahre von der Familie Göhner betrieben.

Öschinger Krümmlingsmühle
Die Krümmlingsmühle wurde 1765 erbaut. Sie gehörte im 19. Jahrhundert über drei Generationen der Familie Werner. Ab 1904 bis 1978 wurde sie von der Familie Kuppler betrieben.

Obere Talheimer Mühle
Die Obere Talheimer Mühle gab es schon im 15. Jahrhundert. Ab 1862 gehörte sie Matthias Möck. Der Enkel Fritz Möck betrieb die Mühle bis in die 1970er-Jahre.

Untere Talheimer Mühle
Auch die Untere Talheimer Mühle existierte schon im 15. Jahrhundert. Sie wurde bis 1999 von Ernst Stich betrieben.

Absackvorrichtung aus der Oberen Mössinger Mühle, Mehlsäcke und Sackkarren. Am Hornsteg um 1900: Links der 1908 abgebrannte Spittel, rechts die Gipsmühle. In dieser Gegend stand im Mittelalter eine Getreidemühle.
Das Wasser holten sich die Bewohner früher an den Brunnen. Der Ausbau einer Wasserversorgung für die einzelnen Haushalte begann Anfang des 20. Jahrhunderts, die nach dem Zweiten Weltkrieg umfassend ausgebaut wurde. Mössingen wird seit 1957 als Mitglied der Steinlach-Gruppe von Wasser aus Kilchberg versorgt. Öschingen erhält als Gründungsmitglied des Zweckverbands Bodensee-Wasserversorgung seit 1958 sein Wasser vom Bodensee. Und Talheim bezieht als Mitglied des Zweckverbands Erpf-Gruppe seit 1961 einen Großteil seines Wassers aus Stetten unter Holstein.
Als die Bodensee-Wasserversorgung Ende der 1960er-Jahre eine zweite Leitung  in die Landesmitte baute, kam ab 1971 Bodenseewasser in direkter Linie auf Talheimer Markung an.  Auf 24 Kilometern Länge führt die Leitung das Wasser durch das Albgestein in der Linie Veringendorf -Talheim in bis zu 260 Metern Tiefe. So kommt das vom Untersee auf den Sipplinger Berg geförderte Wasser ohne weiteres Pumpen in Talheim an. Seit der Fertigstellung ist die zusätzliche Versorgung von Talheim und Mössingen mit Bodenseewasser möglich.

Kommode und Waschgeschirr: Ein Badezimmer war bis Mitte des 20. Jahrhunderts in den Wohnungen noch eine Ausnahme. Bau der Wasserpumpstation im Aible, 1940er-Jahre
Butzenbad und Badestube
Im Bästenhardter Wald gab es im Mittelalter das Butzenbad, in dem warme Wannen- und Dampfbäder angeboten wurden. Nach einer Pestwelle schloss das Bad Ende des 16. Jahrhunderts. Die mittelalterliche Tradition der Badestuben endete in unserer Region in der Regel mit dem Dreißigjährigen Krieg. So stellten die Badestuben in Talheim und Öschingen in dieser Zeit ihren Betrieb ein. Eine Mössinger Badestube exisitierte etwas länger. Sie wird 1719 noch als  „Badstube unten im Bädergäßle“ erwähnt. Kurze Zeit später wird sie aufgegeben.

Bad Sebastiansweiler
Eine neue Badekultur entstand im 19. Jahrhundert in Sebastiansweiler, als die nie ganz vergessene Schwefelwasserquelle im Butzen vom Tübinger Medizinprofessor Autenrieth wieder gefasst wurde. Mit dem dort gewonnenen Wasser eröffnete der Sebastiansweiler Sonnenwirt Maier 1829 an der Schweizer Straße (B 27) einen kleinen Badebetrieb. Aus den bescheidenen Anfängen entwickelte sich im Laufe der Zeit ein großer Kur- und Klinikbetrieb.

Das Gemeindebad
1927 wurde das Mössinger Gemeindebad eingeweiht. Es bot Duschräume und Wannenbäder und für die Schüler auch ein kleines Wasserbecken zum Schwimmen bot. Bürgermeister Jaggy sah für die Einwohner die Möglichkeit, "sich wenigstens einmal in der Woche den Genuß eines erfrischenden Bades zu verschaffen."

Freibad Talheim
Das erste Freibad richtete Talheim in den 1920er-Jahren mit einem vom Wangenbach gespeisten kleinen Becken ein. Seit 1968 dient es der Fischzucht.

Freibad Öschingen
Öschingen baute 1934 ein Freibad mit einem 12 x 36 Meter großen Becken. Seit dem Bestehen des Mössinger Freibads 1962 stand der Betrieb des Öschinger Freibads immer wieder zur Diskussion. Seit 2004 engagiert sich der Freibadverein für den Betrieb des Waldfreibades.

Freibad Mössingen
Erste Ideen für ein Mössinger Freibad stammen schon aus den 1930er/40er-Jahren, gebaut wurde es aber erst 1962. Die Eröffnung des Bades war eine der ersten Amtshandlungen des neuen Bürgermeisters Erwin Kölle. Er sprang mit Frack und Zylinder vom Drei-Meter-Brett ins Becken.

Hallenbad Mössingen
1975 wurde auf 4,5 Millionen Mark geplante und 6,8 Millionen Mark teure Hallenbadbaus eingeweiht. Der Tübinger Oberregierungsrat Oskar Luib wünschte der Stadt, „dass sie [nach dem teuren Bau] nicht baden gehe“. Erwin Kölle sprang im rotgeringeltem Retro-Badeanzug mit einem Salto ins Wasser. 2019 wurde das Bad nach einer Generalsanierung wieder eröffnet.

Diese Art von Zuber gab es in den mittelalterlichen Badestuben Gummi-Schwimmringe, Freibad-Kleiderbügel aus den 1960er-Jahren, Badekappe, Badetasche und Korkschwimmring. Gemeindebad, im Vordergrund Neubau der Brücke über der Steinlach, 1939


Der virtuelle Rundgang durch unsere Ausstellung