Das Industriedenkmal PAUSA

Das PAUSA-Quartier ist mit den 1951-1961 vom Architekten Manfred Lehmbruck erbauten Gebäuden ein bedeutendes Industriedenkmal des Neuen Bauens. Die einst weltbekannte Textildruckfirma arbeitete mit namhaften Künstlern und Designern wie Willi Baumeister, HAP Grieshaber, Leo Wollner, Walter Matysiak, Verner Panton, Andreas Felger und Anton Stankowski zusammen.

Die Ursprünge des Betriebs gehen auf die 1871 in der alten Dorfmitte gegründete Buntweberei Hummel zurück. Als die Brüder Felix und Artur Löwenstein den Betrieb 1919 kauften und ihn PAUSA nannten, begann man schon bald mit dem Textildruck. Kurze Zeit später kamen bereits Einflüsse des Werkbundes und des Bauhauses zum Tragen und 1931 stellte die Firma vom Holzmodeldruck auf den Siebdruck um. In der NS-Zeit sahen sich die jüdischen Firmeneigentümer gezwungen, den Betrieb weit unter Wert zu verkaufen und zu emigrieren. Käufer war die Firmengruppe Burkhardt-Greiner. Unter dem neuen künstlerischen Leiter Willy Häussler gelang es die Erfolgsgeschichte der PAUSA weiterzuschreiben. Die Firma expandierte an ihrem neuen Standort, wo seit 1928 bereits eine Shedhalle für die Weberei stand. Diese Gebäude von Lehmbruck boten den passenden Rahmen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit renommierten Künstlern und Designern der Nachkriegszeit und eine hochwertige Produktion von Dekorations- und Bekleidungsstoffen.

Nachdem die PAUSA 2004 ihre Produktion schloss, wurden die denkmalgeschützten Gebäude von der Stadt Mössingen aufgekauft. In der Tonnenhalle, dem ehemaligen Druckereigebäude, befindet sich heute die Stadtbücherei, der Regionalverband Neckar-Alb, die Diakonie Sozialstation und ein Raum für Wechselausstellung zum Thema PAUSA. Im gegenüberliegenden ehemaligen Kantinengebäude lädt das Café PAUSA zur Einkehr ein. Daneben bietet ein Informationszentrum Einblicke ins Schwäbische Streuobstparadies.

Nach der Schließung der Firma Pausa wurden die vom Architekten Manfred Lehmbruck 1951-1961 erbauten Firmengebäude mit ihrer bespielhaften Architektur des Neuen Bauens 2005 mit sämtlichen Innenausstattungen und beweglichen Gegenständen als Sachgesamtheit unter Denkmalschutz gestellt. Im Folgejahr erwarb die Stadt Mössingen das Gesamtensemble. Seit 2010 ist das ehemalige Druckereigebäude, die sogenannte Tonnenhalle, mit dem Einzug der Stadtbücherei, des Regionalverbands und der Diakonie Sozialstation einer neuen Nutzung zugeführt. Die vorhandenen Sammlungen waren durch provisorische Lagerung zu einem großen Teil in einem bedenklichen Zustand. Der Erhalt der umfangreichen Sammlungen durch Reinigung, Inventarisierung, Verpackung und sachgemäße Lagerung war eine große Herausforderung für die Stadt, die sie alleine nicht bewältigen konnte. Als Kooperationspartner für die vollständige Finanzierung der Inventarisierung konnte die Wüstenrot-Stiftung gewonnen werden. Und mithilfe des von der Kulturstiftung des Bundes und der Kulturstiftung der Länder gemeinsam aufgelegten KUR-Programms sowie mit Mitteln der Landesdenkmalpflege wurden schließlich noch große Teile der Sammlungen konservatorisch behandelt. Seit 2015 sind nun mehr als 86.000 unterschiedliche Dessins,  13.500 Entwürfe und 735 Musterbücher inventarisiert.