100 Jahre Pausa -         100 Jahre Bauhaus

Rückblick auf das Jubiläumsjahr 2019

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Mit einer Finissage ging am 24. November 2019 das abwechslungsreiche Jubiläumsprogramm aus Ausstellung, Theater, Musikaufführungen, Vorträgen und Führungen anlässlich "100 Jahre Pausa - 100 Jahre Bauhaus" zu Ende.  In Kooperation mit zahlreichen Partnern hatte die Stadt Mössingen über 60 Veranstaltungen konzipiert, die Sehens- und Wissenswertes zur ehemaligen Mössinger Textildruckerei Pausa und deren Beziehungen zum Bauhaus beinhalteten. Mehr als 11.000 Besucherinnen und Besucher waren zu den verschiedenen Veranstaltungen gekommen. Die Stadt Mössingen erhielt durchweg positive, oft geradezu begeisterte Rückmeldungen zu dem vielseitigen Veranstaltungsprogramm. Das Ziel, mit dem Jubiläumsfestival eine breite Aufmerksamkeit für die Chancen und Möglichkeiten des Pausa-Areals zu bekommen, wurde klar erreicht. Vom Publikum wurde dabei nicht verkannt, dass mit der künftigen Entwicklung des außergewöhnlichen und inspirierenden Areals auch große Herausforderungen verbunden sind.

Im Jahr 2020 lädt die Stadt Mössingen erst wieder im Herbst zu einer Ausstellung im Obergeschoss der Pausa-Tonnenhalle ein. Die für Frühjahr/Sommer geplante Ausstellung "Lebenslinien" mit Werken des Mössinger Künstlers und früheren Pausa-Designers Andreas Felger wurde aufgrund der Corona-Beschränkungen auf Ende April 2021 verschoben.
Am Sonntag, 27. September 2020 um 11 Uhr wird die Ausstellung "Pausa-Stoffe der 1950er-Jahre. Inspirationen für heute und morgen" eröffnet. In Kooperation mit der Schule für Gestaltung Basel und der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg zeigt die Stadt Mössingen in dieser Ausstellung neue Arbeiten, die die Studierenden auf der Basis von Pausa-Entwürfen aus den 1950er-Jahren entwickelt haben. Das Projekt wird dankenswerterweise von der Wüstenrot-Stiftung gefördert. Die Ausstellung läuft bis 17. Januar 2021.

Die Konservierung und Restaurierung der umfangreichen Pausa-Sammlungen läuft auch im Jahr 2020 mit mehreren Projekten weiter. Gefördert vom Landesamt für Denkmalpflege und von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz werden zahlreiche Stoffmuster, großformatige Drucke von HAP Grieshaber und anderes behutsam restauriert, um dann fachgerecht gelagert zu werden. Ein weiteres Projekt, das von der Stiftung Kulturgut gefördert wird, widmet sich dem Archivieren des umfangreichen Schriftguts, das die Firma Pausa hinterlassen hat. Die Sammlungen der Pausa umfassen mehr als 86.000 Stoffmuster, über 13.000 Papierentwürfe, 735 Musterbücher und vieles mehr. Teile dieser Sammlungsbestände werden in den wechselnden Ausstellungen in der Pausa-Tonnenhalle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Pausa Verwaltungsgebäude mit Bogenhalle in den 1950er Jahren                     Pausa Verwaltungsgebäude mit Bogenhalle im Jahr 2019

Als 1919 die Gebrüder Löwenstein eine im Jahr 1871 gegründete Mössinger Weberei übernahmen und damit den Grundstein der Pausa in Mössingen legten, kam auch die Bauhausidee nach Mössingen. Innovation und Fortschritt prägten nicht nur das Bauhaus, das 2019 ebenfalls den hundertsten Geburtstag feierte, sondern auch die Pausa. In der Zusammenarbeit mit renommierten Künstlern und mit der Entwicklung fortschrittlicher Produktionsmethoden setzte die Pausa lange Zeit Maßstäbe, bis Anfang der 2000er-Jahre der Niedergang der Firma nicht mehr aufzuhalten war. Nicht lange nach der Insolvenz wurde die Pausa als Sachgesamtheit, das heißt Gebäude samt der darin enthaltenen Firmensammlung, unter Denkmalschutz gestellt. Die Stadt Mössingen erwarb die Gebäude samt Inhalten und arbeitet seither, mit Unterstützung verschiedener Förderer, an der Konservierung, Inventarisierung und Zugänglichmachung der Pausa-Sammlungen, die aus rund 86.000 Stoffmustern, 13.500 gezeichneten Muster-Entwürfen, 735 Musterbüchern und etlichem mehr bestehen. Bisher ist eine Besichtigung nur im Rahmen von Wechselausstellungen möglich.

Die Stadt Mössingen beging im Jahr 2019 den 100. Gründungstag der Pausa -  gefördert im Fonds Bauhaus heute der Kulturstiftung des Bundes - mit einer spannenden Ausstellung in der Pausa-Tonnenhalle, einem großformatigen Theaterprojekt des Theaters Lindenhof in der Pausa-Bogenhalle, verschiedenen musikalischen Aufführungen sowie Vorträgen und mehr. Dabei waren vom 3. Mai bis 24. November 2019  alle Interessierten zu einer formenreichen und farbenfrohen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Pausa und den Ideen des Bauhauses auf dem Areal der Pausa eingeladen.

Einen kurzen Abriss zur Geschichte der Pausa finden Sie weiter unten auf dieser Seite.

Das Festival wurde gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes im Fonds Bauhaus heute
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In Kooperation mit:

Logo Theater Lindenhof  Logo Jugendmusikschule Steinlach e.V. Logo Löwensteinforschungsverein  Logo ARTmössingen


Mit freundlicher Unterstützung von:
Logo Kreissparkasse Tübingen  Logo Firma Eroglu Mössingen  Logo der Volksbank Tübingen eG


Die Geschichte der Pausa in Mössingen:

Nach dem Erwerb durch die Gebrüder Löwenstein im Jahr 1919 und den erfolgreichen 1920er Jahren sahen sich die jüdischen Firmeneigentümer in der NS-Zeit gezwungen, die Firma Pausa weit unter Wert zu verkaufen und zu emigrieren. Käufer war die Firmengruppe Burkhardt-Greiner. Unter dem neuen künstlerischen Leiter und späteren Unternehmenschef Willy Häussler, wurden 1951 bis 1961 neue Firmengebäude an der Karlstraße (heute: Karl-Jaggy-Straße) erbaut. Sie sind ein Werk des Architekten Manfred Lehmbruck und stehen in der Tradition des Neuen Bauens. Sie repräsentierten das gestalterische Prinzip der Firma. Nicht nur die Architektur, auch die Produkte zeichneten sich durch Modernität und Variationsreichtum auf hohem gestalterischem Niveau aus. Als Hersteller von künstlerisch höchst anspruchsvollen Dekorationsstoffen, deren Fertigung Kunst, Handwerk und Industrie verband, fand die Pausa zurück zur Tradition des Werkbundes und Bauhauses.
In der „schwäbischen Provinz“ führte das Zusammenspiel von künstlerischem Anspruch und handwerklicher Kompetenz dabei über viele Jahrzehnte hinweg zu außergewöhnlichen Ergebnissen. Künstler wie Willi Baumeister, Andreas Felger, HAP Grieshaber, Anton Stankowski oder der Däne Verner Panton entwarfen für das Mössinger Unternehmen „Künstlerstoffe“ von Weltformat.
 
Dem Wandel in der Textilindustrie konnte die Pausa lange trotzen, doch 2001 wurde der Niedergang unausweichlich und führte zur dramatischen Insolvenz.
 
Noch vor 15 Jahren stand der Abbruch des Gebäudeensembles zur Debatte. Beinahe wären die materiellen und immateriellen Schätze dieses Gesamtkunstwerks, das ein beispielloses Abbild deutscher Geschichte darstellt, vernichtet worden. Doch der Ort trägt noch immer die Spuren seiner Geschichte in sich. Das ist überall sicht- und spürbar: in der einzigartigen Architektur, in zehntausenden von Stoffmustern, in unzähligen Details. Mittlerweile ist das Areal  zum Teil unter Gesichtspunkten des Denkmalschutzes renoviert und neu genutzt, die Stoffsammlung aufwendig restauriert und katalogisiert worden, zum anderen Teil aber noch eine Industriebrache – ein Gelände, das die Neugier der Besucher weckt.