Historisches zu Talheim

So wurde in früheren Zeiten das reizvolle Dorf am Ursprung der Steinlach genannt und diese Bezeichnung hat auch für den heutigen Stadtteil von Mössingen, der gleichzeitig die südöstliche Ecke des Landkreises Tübingen bildet, nicht an Berechtigung verloren. Besonders charakteristisch sind für Talheim neben dem landschaftsbestimmenden Albtrauf, den artenreichen Streuobsthängen sowie der lieblichen Talaue die vielen Quellen und Bäche. Aufgrund seiner Tallage und des reichen Karst-Wasservorkommens gehörte Talheim zu den am frühesten besiedelten Orten im Steinlachtal.
Auf dem Kirchkopf, dem Farrenberg sowie im Tal wurden Spuren vorgeschichtlicher Ansiedlungen gefunden. So gibt es aus der allemannischen / fränkischen Zeit beispielsweise Reihengräber im Gewann Riedshalden, während Funde in "Burdl's Gärdle" auf die Römerzeit hinweisen.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes aus dem Jahr 766 findet sich in den Akten des Klosters Lorsch, das von diesem Jahr an bis 873 umfangreichen Besitz in Talheim erwarb.

Die Kirche wurde außerhalb des Dorfes auf einer vorgelagerten Bergzunge errichtet und bereits im Jahre 873 erwähnt. In ihr befand sich einst ein in den Jahren 1518/19 gefertigter berühmter Flügelaltar aus der Ulmer Schule des Nikolaus Weckmann. Dieser ist 1844 jedoch an das Land Württemberg verkauft worden. Er kann heute im Stuttgarter Landesmuseum als einer der kostbarsten Altäre bewundert werden. Eine aus Lindenholz geschnitzte Mutter Gottes, zu der noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Katholiken der Umgebung Wallfahrten durchführten, wurde 1865 verkauft und steht heute im Schlossmuseum Lichtenstein. Hinter der Kirche stand in früherer Zeit ein kleines Beginenkloster. Die dortigen Schwestern lebten nach der 3. Regel des Heiligen Franziscus, jedoch ohne Ordensgelübte. Das Kloster wurde 1331 erstmals erwähnt. Am 18.11.1610 starb die letzte Klosterfrau. Das Kloster ist daraufhin aufgelöst worden. Nach Beendigung des Erbfolgestreits und der Untersagung, die Gebäude in ein Brauhaus umzubauen, wurde das gesamte Anwesen 1766 abgebrochen. Heute erinnert nur noch der Gewandname „Klostergarten" an das frühere Kloster.

Die Burg Andeck fand erstmals im Jahre 1282 Erwähnung, als ein Zweig der zollerischen Schenken hier Besitz nahm. Zu diesem Besitz gehörte außer der Burg Andeck und der Rinderweide auf dem Farrenberg auch das Dorf Talheim. Um 1400 verarmte das Adelsgeschlecht, das schon um 1340 die Burg Andeck mit dem Zubehör unter der Verwandtschaft aufgeteilt bzw. einzelne Anteile an Nichtverwandte verkauft hatte. Etwa 1437 verschwanden die Schenken von Andeck wegen Baufälligkeit von der Burg und zogen ins "Dorfschlößle", zwischen der Albstraße und Kreuzstraße in Talheim. Ab dieser Zeit nannten sie sich "Schenken von Talheim".

Von der mehrgliedrigen Burg Andeck - auf einem an der Südseite des Farrenbergs nach Ost-Süd-Ost vorspringenden, langen Sporn gelegen - sind heute nur noch Reste der Umfassungs- und Gebäudemauern der Hauptburg erkennbar.

Die Einwohnerzahl des Dorfes wurde im Dreißigjährigen Krieg auf 274 Personen dezimiert. Danach stieg sie langsam wieder an. 1676 waren es 394 Einwohner. 1788 schon 733. Auf Grund der Bevölkerungsliste vom 3. Dezember 1859 wurden 1.231 Einwohner, darunter fünf Katholiken, gezählt. Die politischen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts, die Ertragslosigkeit des Bodens und die allgemeine wirtschaftliche Notlage veranlassten auch zahlreiche Talheimer zur Auswanderung nach Amerika, so dass im Jahr 1939 das Dorf nur noch 836 Einwohner zählte. Erst nach 1945 stieg die Einwohnerzahl auf heute rund 1.800 an.
Das Dorfbild ist geprägt durch die naturbedingten Landschaftsverhältnisse. Der alte Ortskern hat sich entlang der Ortsdurchfahrt entwickelt. Die heutige Landesstraße 385 ist nach wie vor die kreisweit einzige auf die Schwäbische Alb führende Straßenverbindung. Der Grundriss Talheims verdeutlicht die Entwicklung des früheren Straßendorfes.

Die knappe Landausstattung und die schwierigen natürlichen Ertragsbedingungen machten schon früh den außerlandwirtschaftlichen Nebenerwerb notwendig. Doch der alte Ortskern wird noch immer von landwirtschaftlicher Bausubstanz geprägt. Drei Aussiedlerhöfe, die zum Teil nach biologisch-dynamischen Richtlinien wirtschaften, betreiben außerdem bis heute hauptberufliche Landwirtschaft.
Im Laufe der innerörtlichen Entwicklung sind einige Betriebe entstanden, doch gibt es im rundum von einem Landschaftsschutzgebiet umgebenen Talheim kein eigentliches Industriegebiet, sondern lediglich Mischgebiete. Die örtliche Grundversorgung der Einwohner wird durch Bäcker, Metzger und weitere Einzelhandelsgeschäfte sichergestellt. Außerdem befinden sich am Ort Banken, Gaststätten, ein Blumenladen sowie ein Arzt und ein Zahnarzt.

Ziel der städtebaulichen Entwicklung ist es, die bestehenden Funktionen zu erhalten und zur Stärkung der örtlichen Infrastruktur die Wohnqualität weiter zu steigern.

Die Grund- und Hauptschule „Andeckschule“ samt Mehrzweckhalle und Lehrschwimmbecken konnte 1967 eingeweiht werden. Sie beherbergt auch eine Jugendbücherei. 1971 kam die bis dahin selbständige Gemeinde zu Mössingen. Die Ortsdurchfahrt (L 385) wurde 1976 ausgebaut und 1992 umgestaltet. Von 1970-1981 sind im Flurbereinigungsverfahren viele Kilometer Feld- und Waldwege geschaffen worden, wodurch die Gemarkung auch für die Naherholung erschlossen wurde.

Weitere wichtige Vorhaben der letzten Jahrzehnte waren beispielsweise der Umbau des früheren Farrenstalls zu einem Feuerwehrhaus und der Bau einer Vereinshütte durch die örtlichen Vereine (1983), die Renovierung des Talheimer Rathauses (1986), die Neuerrichtung einer Schutzhütte bei der Burgruine Andeck (1993) und die Schaffung eines Jugendtreffs für die Talheimer Jugendlichen in der Kreuzstraße (1997).

Am Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" nahm Talheim nach längerer Pause ab 1986 wieder teil und wurde damals sowie in der Folge mehrfach Kreissieger. Seit 1987 erhielt es außerdem des öfteren Sonderpreise, so auch 1998 für das bürgerschaftliche Engagement bei der Einrichtung eines Talheimer Jugendtreffs.

1999 wurde mit der Realisierung eines Dorf- und Gemeinschaftshauses begonnen. In einem ersten Bauabschnitt konnte der Bühnenanbau an die Turn- und Festhalle verwirklicht werden (2000). Im zweiten Bauabschnitt erfolgte 2000/2001 unter Erweiterung der Mehrzweckhalle der Umbau des bisherigen Lehrschwimmbeckens zu einem Dorfgemeinschaftshaus mit Veranstaltungsbühne.

Im Zuge der Mössinger Verwaltungsreform wurde 2004/2005 die Ortschaftsverwaltung umstrukturiert.